Dienstag, 5. Juni 2007
Konzept
I. Die Initiative für ein sozial belebtes Zentrum Friedrichshain
…
… ist zum Ende des Jahres 2006 entstanden. Einige Kiez-Akteure und hier
arbeitende Vereine haben sich zusammengeschlossen, um eine Initiative für ein
Stadteilzentrum in Friedrichshain zu schaffen. Schon bei den vorbereitenden
Überlegungen wurde sehr deutlich, dass der Weg zum SBZ sinnvoll nur über
die Initiierung eines „Netzwerkes Friedrichshain“ innerhalb der schon bestehenden
Projektlandschaft führen kann. Erst durch ein „Soziales Zentrum“ kann
ein „Netzwerk Friedrichshain“ mehr sein als eine Kooperation zwischen verschiedenen
Akteuren in Friedrichshain. Ein „Soziales Zentrum“ ohne ein tragendes
Netzwerk wäre eine weitere öffentliche Investition in ein Projekt, das aus
strukturellen Gründen unter seinen Möglichkeiten bleiben würde.
Einige Gruppen aus der Initiative nutzen für die eigene Arbeit das Asyl in den
begrenzten Räumen des Mieterladens in der Kreuzigerstr. 23. Andere Akteure
arbeiten in Projekten oder Bürgerinitiativen in Friedrichshain mit und haben
ein Interesse daran, die Erfahrungen aus 15 Jahren Bürgerbeteiligung in Fragen
der sozialen Stadtentwicklung weiterzuführen.
Viele von uns kennen die Umsetzungsprobleme von Projekten in kleinen
Trägern und die Arbeit in Bürgerinitiativen. Neben dem CloF e.V. mit seiner
Kampagne „Musik gegen Gewalt“ gehört auch die Sozialberatung im Mieterladen
zu den Trägern der Initiative SBZ Friedrichshain. Zum weiteren Umfeld gehören
weitere Akteure in den Betroffenen-vertretungen der Sanierungsgebiete
und in den verschiednen Initiativen, wie dem Weltfest auf dem Boxhagener
Platz.
Nach der Wiedervereinigung hat Friedrichshain erhebliche Umbrüche erlebt,
bis hin zur Zusammensetzung seiner Bewohnerschaft. Dies verursacht vielfältige
Probleme, beinhaltet aber auch Chancen, die systematisch genutzt werden sollten.
Wir alle sind als „teilnehmende Beobachter“ davon überzeugt, dass in
Friedrichshain - trotz oder sogar wegen - dieser Umbrüche wichtige Potentiale
für das Projekt vorhanden sind.
In Umbruchzeiten der klassischen Erwerbsarbeit bekommt Qualifizierung als
Eigenarbeit eine immer größere Bedeutung. Das Netzwerk muss nicht nur selbst
als eine „lernende Organisation“ funktionieren, sondern Lernangebote schaffen,
über die soziale Kompetenzen und der Umgang mit den neueren Wissens-
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Initiative SBZ Friedrichshain
technologien vermittelt werden, um damit auch eine „Arbeitsmarktnähe“ zu
stärken.
Es geht uns nicht darum, ein weiteres Projekt für soziale Angebote im Friedrichshain
aufzubauen. Wir meinen, dass es gerade in Zeiten der dauerhaften
Verschuldung des Landes Berlin und steigender sozialer Problemlagen notwendig
ist, neu integrierende Ansätze aus den spezifischen lokalen Sozialkapitalen
zu entwickeln. Dazu müssen auch Aspekte der Unternehmensentwicklung,
technischer Innovationen, aber auch der touristischen Attraktivitätssteigerung
gehören.1
Die gerade beginnende EU-Finanzperiode 2007 – 2013, bzw. die Definition der
Berliner Förderinstrumente, sollte in Friedrichshain in den kommenden Jahren
so umgesetzt werden, dass mit komplementären Interventionen der Strukturfonds
ESF und EFRE möglichst hohe Synergieeffekte erzielt werden können.
Ansatzpunkt ist aus unserer Sicht hierbei die Prioritätsachse 3 des Berliner operationellen
Programms zur Umsetzung des EFRE „Integrierte Stadtentwicklung
und Umwelt“.
Es geht uns um die Definition eines auf Friedrichshain abgestimmten Maßnahmenbündels
sowie der daraus abgeleiteten Umsetzungsstränge, zu dem wir
lediglich einige Bausteine beitragen wollen. Der Vorschlag, am Frankfurter Tor
ein Stadtteilzentrum zu errichten, versteht sich einerseits als ein solcher Baustein,
andererseits als einer der tragenden infrastrukturellen Knotenpunkte, die
das Netzwerk Friedrichshain ausmachen sollen. Es geht uns um die Definition
einer lokalen Entwicklungsstrategie, die Friedrichshain lebbarer und begehbarer
macht, die die vielen versteckten Schätze hebt, aber auch vorhandene Angebotslücken
schließt.2
Ziel ist es, Friedrichshain zu einem Modell-Bezirk zur Umsetzung der Interventionen
des ESF sowie EFRE zu machen. Um dies entwickeln und steuern zu
können, müsste das Bezirkliche Bündnis für Wirtschaft und Arbeit (BBWA)
deutlich aufgewertet werden. Auch die Interventionen des Jobcenters Friedrichshain-
Kreuzberg auf dem lokalen Arbeitsmarkt müssten im Sinne der sozialen
Stadtentwicklung in dieses Konzept eingepasst werden.
Zu einer integrierten Entwicklungsstrategie muss auch gehören, dass die Sozialraum
AG´s nicht nur aufgewertet und in diesen Prozess eingebunden, sondern
auch qualitativ weiter entwickelt werden.
Ein sozio-kulturelles Stadtteilzentrum am Frankfurter Tor soll einerseits die Erschließungsfunktion
für Friedrichshain übernehmen; andererseits soll es ein
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Realisierungsort für Projekte sein, die es entweder in den angrenzenden Sozialräumen
noch nicht gibt oder die aufgrund des Druckes von steigenden Mieten
einen langfristig gesicherten Standort suchen. Es ist sinnvoll, in einem Zentrum
selbst verschiedene Kernprojekte zu betreiben, die als Anker für thematische
Plattformen mit verwandten Projekten in den Quartieren fungieren können. Es
geht darum, die Stärke der engen Verflechtung in die Kieze mit einer gemeinsamen
Erschließungs- und Präsentations-plattform zu verbinden.
Im Netzwerk Friedrichshain mit einem Sozialen Zentrum am Frankfurter Tor
sollen konkrete Ansätze der solidarischen Ökonomie und Lebensweise verknüpft
werden mit der Förderung von wirtschaftlichen Unternehmungen. Die
Innovation der „Marke Friedrichshain“ muss darin bestehen, beide Zielstellungen
in ein produktives Spannungsverhältnis zu bringen, um soziale und stadtentwicklungspolitische
Effekte im Sinne der BewohnerInnen und als Angebot
für die BesucherInnen für ein lebenswertes und lebendiges Friedrichshain zu
entwickeln.
Zielstellung der Initiative SBZ Friedrichshain ist es, aus den beiden Handlungsansätzen
des Netzwerkes Friedrichshain und einem sozialorientierten Stadtteilzentrum
am Frankfurter Tor eine gemeinnützige Genossenschaft Friedrichshain
zu gründen.
II. Situation in Friedrichshain -
ein paar teilnehmende Betrachtungen
Friedrichshain hat eine Geschichte mit verschiedenen, prägenden, Umbrüchen.
Das
19. Jahrhundert drückte den industriellen Stempel auf diesen Randbereich der
ent-stehenden Großstadtmetropole Berlin. Die Flussschifffahrt und vor allem
die Bahn zerteilten das Gebiet zwischen Spree und Boxhagener Gut.3
Der Stadtbezirk hat seine Prägung durch den industriellen Schlachthof für Berlin
oder dem großen Reparaturwerk für die Bahn bekommen. Hier war nicht
gerade ein bildungsbürgerlicher Wohnort, sondern die Kultur der Arbeiterbewegung
und der Gewerbetreibenden, die den Kiezen einen Stempel aufgedrückt
haben.
Für alle Friedrichshainer spürbar ist die markante Unterversorgung mit öffentlichen
Grünflächen. Im Stadtbezirk gab es nie eine zentrale Platzsituation,
welche die Funktion eines verbindenden und erschließenden Zentrums übernommen
hat. Wenn überhaupt, dann erzeugen Verkehrsachsen diese Wirkung.
Der Friedrichshain wird weiterhin der Volkspark in Richtung Prenzlauer Berg
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sein, während es in Friedrichshain eine Ansammlung von eigenständigen Quartieren
und Kiezen gibt. Irgendwie ist hier das Ganze eben nicht mehr als die
Summe seiner Teile.
Diese zerteilte sozialräumliche Struktur ist dann im 20. Jahrhundert noch einmal
durch die Magistrale Karl-Marx- bzw. Frankfurter Allee als Teil der Hauptstadtpläne
von Ulbricht aufgebrochen worden. Westlich der Warschauer Straße,
rund um die Weberwiese, bekommt diese Planung eine räumliche Tiefe.4
Seitdem prägt die Durchgangsstraße mit allen Spielarten der DDR-Architektur
den Stadtteil, während in den dahinter liegenden Kiezen der „Spuk der kapitalistischen
Hinterhäuser“ abgerissen werden sollte, um Platz für den genormten
sozialistischen Plattenbauten, wie in der Rigaer Straße, zu schaffen.
Ein Erbe der DDR-Hauptstadtplanung waren vernachlässigte Gründerzeitquartiere
und ein dringender Sanierungsbedarf in diesen Altbaubeständen. Ab 1992
wurden in Friedrichshain drei Sanierungsgebiete und später ein Milieuschutzgebiet
festgeschrieben (Samariterviertel, rund um den Traveplatz, Warschauer
Straße, und der Boxhagener Platz als Milieuschutzgebiet).
Typisch ist immer noch eine verdichtete Bebauung mit vergleichsweise wenigen,
häufig übernutzten, öffentlichen Räumen, die zu einem Aufenthalt geeignet
sind. 80 % der Häuser des Samariterviertels und 60 % der Gebiete Traveplatz,
Boxhagener Platz und Warschauer Straße sind mittlerweile erneuert. Öffentliche
und private Finanzmittel konzentrierten sich auf diese Gebiete, während z.
B. das Bersarin-Viertel vor sich hin gammelte. Diese Finanzen sind vorrangig in
die Sanierung der Immobilien geflossen, während die ursprünglich geplante
Sanierung des öffentlichen Raumes, z. B. durch den Bau von Kinderspielplätzen
bzw. die Erneuerung der Grünflächen, erst in den letzten fünf Jahren partiell
angegangen wurde. Mit der absehbaren Aufhebung der Entwicklungssatzungen
werden die Finanzmittel zum Ende der Dekade spürbar zurückgehen, die
Sanierung der sozialen und ökologischen Infrastrukturen (Sporteinrichtungen,
Parks, Hundeauslaufplätze, Kinder- und Jugendeinrichtungen, etc.) droht dann
auf der Strecke zu bleiben.
Nach der Gründerzeit der 90iger Jahre konnten einige Standorte im Bereich der
freien und kommunalen Träger (Abenteuerspielplatz & Platzhaus am Forkenbeckplatz
oder E-LOK) ausgebaut werden.5 Öffentliche Finanzen wurden in
Selbstausbauobjekte und angeschlossene Kulturprojekte gesteckt (z. B.
Kinzigstr. 9).
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Natürlich sind die Folgen der Berliner Schuldenfalle nicht am Bezirk vorbei gegangen.
Die Kürzungen und Standortzusammenlegungen sind nur über die Interessenaustragungen
in der Sozialraum AG moderierbar gewesen. Die Folge
von solchen aufgenötigten Verteilungskämpfen ist ein Strukturkonservatismus,
um den schwer ausgehandelten Kompromiss nicht in Frage zu stellen. Der Status
Quo führt aber auch immer dazu, dass die kleinen wie die großen Träger,
jeweils allein auf sich gestellt, deutlich unter ihren Möglichkeiten bleiben
müssen. 6
Im wahrsten Sinne des Wortes ist mit dem 21. Jahrhundert wieder ein tiefgreifender
Umbruch im sozialen Gefüge und den sozialräumlichen Strukturen im
Friedrichshain festzustellen. Zwischen 2001 und 2003 wurden aus der Simon-
Dach-Straße und ihrem Umfeld eine touristische Kneipenmeile und damit
treibt sie eine neue Investitions- /Aufwertungswelle an.7 Im Milieuschutzgebiet
Boxhagener Platz wurde 1999 ein Quartiersmanagement aus dem Programm
„Soziale Stadt“ eingeführt. 2006 wurde es vom Senat wieder eingestellt, angeblich
weil die positive Entwicklung des Quartiers ein solches Instrument überflüssig
mache.8
Besonders schwerwiegende Konsequenzen auf die sozialen Problemlagen der
Wohnbevölkerung zeitigt die Modernisierung der Immobilien in Verbindung
mit der starken Fluktuation in der Bewohnerschaft. Friedrichshain ist geprägt
von sozialer Isolation und einem stark ansteigenden Mietpreisniveau. Ein Rückzug
aus der hoheitlichen Daseins-Vorsorge und aus der sozialen Problembearbeitung
durch handlungsfähige Akteure (Jugendhilfe & Trägerlandschaft) ist
nicht nur hinsichtlich der Verwahrlosung des öffentlichen Raumes erkennbar
geworden. Die öffentliche Hand beschränkt sich zunehmend auf nachsorgenden
Aktionismus im Einzelfall.
Fast 50 % der Bevölkerung leben unterhalb der offiziell definierten Armutsgrenze.
9 Das ist nicht allein eine Folge von Hartz IV. Zu den Menschen, die mit zirka
1000 € im Monat auskommen müssen, gehören genauso Vollzeitbeschäftigte im
Niedriglohnbereich, Mehrfachjobber, abhängige (Schein-)Selbständige, Kaufleute
in den Erdgeschoss-gewerbeflächen und Menschen mit befristeter Erwerbsarbeit
in diversen „Projekten“. StudentInnen machen mittlerweile fast ein
Viertel der MieterInnen im Gründerzeit-Gebäudebestand aus, die oftmals nur in
der Ausbildungszeit BewohnerInnen von Friedrichshain sind.10 Feststellbar ist
ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum für einkommensschwache Mitbürger
und junge Familien.11
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Andererseits sind die Friedrichshainer Gewerbehöfe vielfach zu einem Biotop
der „Medien- und Kreativwirtschaft“ geworden. Friedrichshain ist hier ein
Nachzügler, nachdem die letzten „Freiräume“ in Prenzlauer Berg, Mitte und
Kreuzberg erschlossen wurden.12 Die De-Industralisierung der 90er Jahre und
die alten Gewerbehöfe waren eine wesentliche Voraussetzung für dieses Entwicklungspotential.
Der mit dieser Entwicklung verbundene Aufwertungsdruck
bei den Mieten produziert inzwischen eine Verdrängung von alten Gewerben -
mittlerweile selbst von „Pionieren“ der ersten Erschließungsphase.
Wer die Innenstadt als Wohn- und Arbeitsort für sozial unterschiedliche
Bevölkerungs-gruppen bewahren und qualifizieren will, der muss auch Lösungsmöglichkeiten
für diese sozialen Risiken entwickeln. Der Berliner Senat
will:
„Die Soziale Stadtentwicklung als differenzierte Berliner Strategie zur Überwindung
ungleicher Lebenslagen in Stadtquartieren fortsetzen. Dabei kommt der Unterstützung
bürgerschaftlicher Beteiligungsprozesse zur Stärkung des zivilgesellschaftlichen Engagements
eine zentrale Rolle zu. Bürgerinitiativen, Betroffenenvertretungen oder Runde
Tische, aber auch Ansätze wie Bürgerhaushalt, werden unterstützt und verbreitert, um
die Identifikation der Menschen mit der Stadt und ihrer Lebensumgebung, ihrer Wohnsituation
und vor allem mit dem öffentlichen Raum zu stärken“ (Koalitionsvertrag).13
Die Initiative SBZ Friedrichshain will mit dem Konzept für ein „sozial belebtes
Zentrum“ am Frankfurter Tor sowie eines „Netzwerk Friedrichshain“ konkrete
Vorschläge für die Umsetzung dieses Zieles vorlegen.
III. Ein Netzwerk Friedrichshain mit einem sozial belebten
Zentrum am Frankfurter Tor
„Bei den Konzeptionen und Maßnahmen zur Überwindung sozialer Defizite sind die
Partizipation der Bürgerinnen und Bürger, die Einbeziehung der lokalen Institutionen,
von Trägern und Initiativen, ein integriertes ressortübergreifendes Vorgehen, die Bündelung
von Ressourcen und die Einbeziehung des Raumbezugs in die fachpolitische Ausrichtung
sicherzustellen. Mit ausgewählten Pilot-Bezirken soll der Prozess des sozialraumorientierten,
ressortübergreifenden Stadtteilmanagements ausprobiert werden“
(Koalitionsvertrag Berliner Senat).14
Im Friedrichshainer Zentrum gibt es Handlungsbedarf durch zwei gleichzeitige
Vorgänge: ...den Aufwertungsdruck bei Wohnimmobilien, insbesondere im Samariterviertel
und um den Boxhagener Platz, sowie eine Konzentration der multiplen
sozialen Problemlagen, verursacht durch Armut, lang anhaltende Erwerbslosigkeit
und prekäre, ungesicherte Beschäftigungen im Niedriglohnbereich.
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Es geht beim vorgelegten Zentrums-Konzept nicht darum, eine öffentliche Finanzierung
für einen weiteren freien Träger so zu begründen, dass er eine bessere
Konkurrenzposition im Verteilungskampf um öffentliche Mittel bekommt.
Wir wollen auch nicht nur die gängige Metapher des Netzwerkens bedienen.15
Unserer Meinung nach gibt es strukturelle Gründe, weshalb viele Projekte trotz
einer jeweils guten Arbeit unterhalb des Potentials ihrer Möglichkeiten bleiben.
Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass es gerade nach dem Ende von Sanierungsmaßnahmen
und Quartiermanagement tragende Strukturen für diese
bürgerschaftlichen Aktivitäten, Einmischungen und ankommende Sozialarbeit
geben muss.
Die Initiative SBZ Friedrichshain ist der Meinung dass es möglich ist, aus den
beiden Entwicklungsansätzen eines Netzwerkes und eines Sozialen Zentrums
nachhaltige Antworten aus den Problemen und Potentialen in Friedrichshain zu
entwickeln.
1. Das „Netzwerk Friedrichshain“ soll...
• die soziale und kulturelle Initiativen- und Projektlandschaft mit den innovativen
Gewerbebereichen der Medien- und Kreativwirtschaft vernetzen;
• Synergien durch gemeinsam genutzte Ressourcen und Präsentationen erzeugen;
• damit bürgerschaftliche Arbeit stärken und Effekte für die lokale Wirtschaft
erzeugen, indem zusammen ein „soziales und lebenswertes Friedrichshain“
umgesetzt wird und daraus erst eine „Marke Friedrichshain“ entsteht;
• eine Kommunikationsplattform herstellen, auf der Interessenkonflikte der
sozialen Stadtentwicklung und zentrale Bauvorhaben erst austragbar sind
• ;
• Beiträge leisten zur Evaluation, Qualifizierung und Weiterentwicklung der
Projekte;
• systematisch Ansatzpunkte für Qualifizierung und Beschäftigung von bislang
arbeitsmarktfernen Teilen der Bevölkerung herausbilden, deren Dienstleistungen
wiederum den Quartieren zugute kommen.
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2. Das Stadtteilzentrum soll...
• eine zentrale Lotsen- und Erschließungsfunktion für Kiezbewohner und
Besucher übernehmen;
• ein Standort sein für einzelne Einrichtungen und Projekte, die eine zentrale
Repräsentanz benötigen;
• ein fester Ort für Projekte/Einrichtungen sein, die bekannt und leicht anlaufbar
sein müssen;
• eine Plattform sein für neue, sinnvolle und förderungswürdige Projekte;
• ein zentraler „Netzwerk“-Standort sein.
3. Die Initiative möchte...
• das Entstehen eines Stadtteilzentrums und des Netzwerkes fördern;
• eine zielorientierte Anregungs-, Koordinierungs- und Verbindungsfunktion
für die beteiligten Akteure übernehmen;
• konkrete Aktivitäten und Schritte zur Zielerreichung als dienstleistende Plattform
durchführen und auswerten.
• Dieser Prozess muss definiert, moderiert und gesteuert werden. Dabei muss
einerseits die Funktionstrennung zwischen fördermittelnehmenden Leistungserbringern
und prüfenden bzw. evaluierenden Instanzen gewahrt bleiben,
andererseits müssen aber die lokalen Akteure systematisch eingebunden werden.
• Diesbezüglich schwebt uns eine deutliche Aufwertung des Bezirklichen
Bündnisses für Wirtschaft und Arbeit Friedrichshain-Kreuzberg (BBWA FK)
sowie des EU-Referates im Bezirksamt vor. Auf diese Struktur müssten Mittel
der sog. Technischen Hilfe konzentriert werden.
• BBWA und EU-Referat müssten personell gestärkt und zur Beauftragung
externer Dienstleister für einzelne Leistungen befähigt werden. Die Verzahnung
mit den Entscheidungsprozessen der Bezirksvertretung bzw. des Bezirksamtes
müsste ebenso verbessert werden wie die Einbindung der leistungserbringenden
Netzwerke - z. B. die Sozialraum-AGs oder Foren der Bürgerbeteiligung.
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4. Querverbindungen durch Projektplattformen ...
• können unserer Meinung nach aus den Zielsetzungen des Netzwerkes abgeleitet
werden. Die konkrete Ausgestaltung der Projektplattformen in und außerhalb
des Stadtteilzentrums soll im Rahmen von mehreren Werkstattveranstaltungen
entwickelt und im Rahmen einer Förderung durch das Lokales Soziales
Kapital für soziale Zwecke umgesetzt werden.
• Aus unserer Sicht soll das folgende Bereiche umfassen:
• gemeinsame Aktivitäten von Trägen der freien Kinder- und Jugendarbeit, der
Seniorenarbeit sowie von sozialen und kulturellen Projekten,
• soziale Dienste und Selbsthilfeangebote,
• Entwicklungshilfe für abhängig tätige Selbständige mit diskontinuierlichem
Einkommen sowie für Menschen in prekären, ungesicherten Beschäftigungsverhältnissen
• Bürgerbeteiligung und Kiezaktivierung
• Energiesparendes Bauen und Einsatz regenerativer Energien
• Pflege und Entwicklung der öffentlichen Grünanlagen
• die gemeinschaftliche Präsentation der lokalen Kultur- und Medienwirtschaft
unter Einbindung der sonstigen gewerblichen Aktivitäten von Kleinst-Unternehmen.
5. Kernprojekte die im Zentrum ansässig sind ...
• sind solche Projekte, die zentrale und erschließende Funktionen für das
Netzwerk und die gesamte Friedrichshainer Initiativen-, Projekt- und Gewerbelandschaft
übernehmen. In der Zeit einer Gesamtprojektentwicklung und
Beantragung müssen erste Ansätze für diese Kernprojekte arbeitsfähig gemacht
werden. Aus der Sicht der Initiative wären das folgende Projekte:
• der Info-Pool mit Web-Präsenz, Ortsteil-Magazin und wechselnden Ausstellungen
• der Veranstaltungs-Pool, z. T. ausgestattet auch mit technischer Infrastruktur
zur Nutzung des öffentlichen Raumes (Stände, Bühne usw.)
• die Kiez-Küche mit angeschlossener, kostenloser Lebensmittelverteilung für
Bedürftige
• das energiewirtschaftliche Projekt mit angeschlossenen Beratungen
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• die Grünflächenpflege mit angeschlossener Beratung zur Hinterhof- und
Fassaden-Begrünung
• die Gründungs- und Projektberatung
• das Büro für Bürgerbeteiligung und Begleitung der Sozialen Stadterneuerung
• die niederschwellige Sozialberatung und begleitende Dienste, wie z. B. ein
Streetworker Servicepoint oder Sucht-Selbsthilfeangebote
• die Geschichtswerkstatt Friedrichshain
IV. Wieso ein Soziales Zentrum am Frankfurter Tor?
Friedrichshain ist nicht nur im Vergleich mit Kreuzberg an Stadtteilzentren unterversorgt.
Ein Blick auf eine Zentren-Standortkarte für freie und kommunale
Träger zeigt: Mit der Alten Feuerwache gibt es ein kulturorientiertes Stadtteilzentrum
im Sozialraum VII, mit der E-Lok ein jugendorientiertes Zentrum für
die Bereiche 3 und 4 des Sozialraums VIII zwischen dem Bahngelände und der
Spree, das Nachbarschaftszentrum Nixenkai auf der Stralauer Halbinsel, das
Nachbarschaftszentrum RuDi in der Modersohnstraße und das familienorientierte
Platzhaus beim Abenteuerspielplatz am Forkenbeckplatz als Anlaufpunkt
für den Nordkiez.
Das Zentrum dieses Ringes bilden die Quartiere um den Boxhagener und den
Traveplatz und hier gibt es keinen Standort, der die Funktion eines Stadtteilzentrums
inne hat.
Die Senatsparteien erklären, dass sie - aufbauend auf der „Zukunftsinitiative
Stadtteil“ - dem Integrationskonzept und dem Konzept Stadtteilzentren die
Rahmenstrategie der Sozialen Stadtentwicklung ressortübergreifend weiterentwickeln
wollen: „Ein wesentliches Element ist die dauerhafte Sicherung der
Rahmenbedingungen für selbstorganisiertes bürgerschaftliches Engagement“
(Koalitionsvertrag). Aus Sicht der Initiative SBZ Friedrichshain sind die kleinteiligen
Projekte, die sich in den jeweiligen sozialräumlichen Situationen der
Quartiere entwickelt haben, eine Stärke der Friedrichshainer Projektlandschaft.
Auf der anderen Seite sind aber ressort- und quartiersübergreifende Ansätze
notwendig. Diese Leistung kann ein Netzwerk Friedrichshain als reine Kommunikations-
Plattform nicht erbringen, wenn nicht ein Soziales Zentrum diese
verbindende Funktion übernimmt. Es gibt zur Zeit nicht einmal einen zentralen
Ort, an dem sich Gruppen unentgeltlich treffen können.
Wir sehen fünf Argumente für ein Stadtteilzentrum am Frankfurter Tor:
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1. Hier befindet sich – im Schnittpunkt der Magistralen – der urbane Kontenpunkt
des Ortsteiles mit zentrierender Wirkung. Wenn ein Netzwerk Friedrichshain
eine erschließende Funktion für Friedrichshain entwickeln soll,
dann sollte sein Zentrum auch dort liegen, wo sich die meisten Wege von
BewohnerInnen und BesucherInnen kreuzen.
2. Es ist aus unserer Sicht sinnvoll, durch die Verkehrsberuhigung und den
Umbau der Boxhagener Straße, zwischen Wismarplatz und Warschauer
Straße, eine – auch touristische – Erschließung des Quartiers zwischen der
Frankfurter Allee und dem Boxhagener Platz herbei zu führen. Nicht von
ungefähr hat der Boxhagener Platz bereits überörtlichen Marken-Charakter.
Ein Stadtteilzentrum an dieser Stelle kann einerseits eine Brückenfunktion
in die anderen Quartiere übernehmen, andererseits den zentralen Anlaufpunkt
für interessierte Touristen, Investoren oder Zuzügler darstellen.
3. In dem Gebiet um die Frankfurter Allee, der Warschauer Straße und dem
Traveplatz gibt es eine Unterversorgung im Bereich der öffentlichen Versammlungs-
räume, Freizeitangebote und vor allem von öffentlicher Grünfläche.
Die ehemalige Franz-Führmann-Schule, mit der umgebenden Außenfläche,
lädt gerade zu ein, mit Anwohnern einen Citygarden umzusetzen
und das Zentrum von Friedrichshain wieder soziokulturell zu beleben.
4. Der Gründerzeitbestand in Friedrichshain hat sich in den letzten Jahren zu
einem – durch seine Kleinteiligkeit geprägten – Zentrum der Berliner Kultur-
und Medienwirtschaft entwickelt, für die ein zentraler gemeinsamer
Marktauftritt unter einer „Marke F`hain“ von wachstumsinduzierender, und
damit beschäftigungswirksamer, Bedeutung ist.
5. Der Standort am Frankfurter Tor ist nicht alternativlos, das Zentrum für ein
Netzwerk Friedrichshain könnte auch im Rahmen der Erschließung des
RAW-Geländes entwickelt werden. Wir halten es nur nicht für sinnvoll, so
ein Projekt dort zu platzieren, wo eins der größten Bauprojekte in Friedrichshain
in nächster Zeit umgesetzt werden soll.
V. Wieso ein Stadtteilzentrum mit sozialen Ausrichtung?
In einem Sozialen Zentrum am Frankfurter Tor soll es neben den Erschließungsfunktionen
für ein Netzwerk Friedrichshain eine Schwerpunktsetzung auf
die neuen Formen der prekären Arbeits- und Lebensverhältnisse geben, die
möglichst mit eigenen Handlungsansätzen verbunden sein sollen. Dazu gehört
aus Sicht der Initiative:
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Initiative SBZ Friedrichshain
• eine Sozialberatung: Armut ist ein mehrdimensionales Problem und nicht allein
eine Frage der Einkommensarmut. Gerade Menschen mit multiplen Problemlagen
treffen oft auf überforderte Beratungsstellen. In diesem Sinne wollen
wir mit der Sozialberatung eine niederschwellige Anlaufstelle und betreuende
Dienste schaffen.
• Eine Gründungs- und Projektberatung soll die sozialen Risiken der abhängigen
Selbständigkeiten, z.B. in der Medien- und Kreativwirtschaft, beratend
minimieren. Einen massiven Bedarf gibt es in den Bereichen der Vertragsausgestaltung,
der Sozial- und Gesundheitsversicherung und beim Umgang mit
den JobCentern in Situationen eines aufstockenden Arbeitslosengeldes II.
• Das Zentrum soll generationsspezifische Ansätze entwickeln und generationsübergreifende
Projekte initiieren, wie z. B. durch eine „Patengroßeltern-Initiative“,
die jenseits der öffentlichen Betreuungszeiten alleinerziehende Eltern
und vor allem Mütter mit Kleinkindern entlastet.
• Unzureichende Handlungsansätze gibt es in dem Bereich der erwerbslosen
jungen Menschen unter 25 Jahren, die zum großen Teil keinen Ausbildungsplatz
haben oder die Zeit vor oder nach einer Ausbildung mit Jobben und
Praktika verbringen oder sich schon als arbeitsmarktferne Verlierergeneration
ansehen.
Das Soziale Zentrum wird Angebote mit unterschiedlichen Reichweiten entwickeln
müssen. Im Unterschied zu gängigen Stadtteilkonzeptionen sollen bei
diesem Konzept nicht nur stabilisierende Wirkungen für den umgebenden
Sozialraum erzeugt werden. Neben den erschließenden Aufgaben für die Initiativen-,
Projekt- und für die innovative Gewerbelandschaft muss ein Gründungsund
Projektberatungsansatz so konzeptioniert werden, dass sich dieses Angebot
nicht allein auf den Bezirk beschränkt, dabei aber möglichst Wirkungen in
Friedrichshain erzeugt werden.
VI. Die Architektur- und Stadtgeschichte erschließen
Ein Stadtteilzentrum soll die Identifikation der Menschen mit der Stadt und
ihrer Lebensumgebung, ihrer Wohnsituation und vor allem mit dem öffentlichen
Raum stärken. Das Schulgebäude selbst und die umliegenden Bauten und
Gewerbehöfe sind kulturgeschichtliche Baudenkmäler der Architektur von Zeiten
des nationalen Aufbauprogramms der „Stalin-Alle“ bis hin zur DDR-Modernen
der späten 70er Jahre und wären deshalb der ideale Rahmen einer
Geschichtswerkstatt Friedrichshain.
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VII. Realisierungswege & kalkulierte Zeitschiene
In Berlin steht fast jede politische Entscheidung unter einem Finanzierungsvorbehalt.
Die hier vorgeschlagene Konzeption orientiert sich deshalb bewusst
an den Zielstellungen der EU-Förderprogramme des Europäischen Sozialfonds
und des EFRE-Programms. Es geht der Initiative SBZ Friedrichshain nicht darum,
ein paar weitere Projekträume im Friedrichshain umzusetzen.
Methodisch sind wir nicht von den unmittelbaren Kernprojekten ausgegangen,
die wir gerade aufbauen, sondern haben eine andere Ausgangsfrage gestellt:
• Wo liegen die Gründe, weshalb viele Projekte in Friedrichshain unter ihren
Möglichkeiten bleiben?
• Was für ein Quartiermanagement von unten wäre eigentlich notwendig, um
die Projektszene, die Kieze, die Gewerbelandschaft und die sozialen Dienste in
Friedrichshain für BewohnerInnen und BesucherInnen zu erschließen?
• Welche Ansätze und Instrumente für ein solches Entwicklungsleitbild für
Friedrichshain wären notwendig?
Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg wird ein solches Modell-Projekt nur dann
umsetzen können, wenn es bis zum Sommer in Zusammenarbeit mit den Senatsstellen
und dem beauftragten Serviceunternehmen „Zukunft im Zentrum“
einen solchen Antrag im Rahmen der neuen Förderperiode einreicht.
In dem Sinne kann die Initiative SBZ Friedrichshain zum jetzigen Zeitpunkt
nur die notwendigen Voraussetzungen und politischen Entscheidungsschritte
skizzieren, denn
ein EU-Antrag muss eine andere Qualität haben und wird kaum im Rahmen
des bürgerschaftlichen Engagements entwickelt.
Wir halten die gewählte Vorgehensweise für den richtigen methodischen Ansatz,
gerade weil eine bürgerschaftliche Initiative so etwas nicht umsetzen kann,
geänderte Rahmenbedingungen aber die Voraussetzungen für einen anderen
Entwicklungspfad in Friedrichshain sind.
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Erster Schritt: Gestaltungsmöglichkeiten für den Bezirk sichern
Die ehemalige Schule ist dem Liegenschaftsfonds als ein Bewirtschaftungsobjekt
zur Vermarktung übertragen worden. Wenn das Objekt kurzfristig in ein
Immobilien-Portfolio überführt wurde und dieses in einem Bieterverfahren auf
den Markt geworfen wird, gibt es keine bezirklichen Gestaltungsspielräume für
die BVV und der Bezirksverwaltung für eine unterstützte Netzwerkbildung
durch ein Soziales Zentrum.
Von Seiten der Senatsparteien wurde erklärt: „Die zielgerichtete Nutzung und
Verwertung von Flächen, Grundstücken und Gebäuden ist ein Schlüsselinstrument
der Stadtentwicklung und wichtig für die Förderung wirtschaftlicher Aktivitäten.
Bei der Verwertung und Verwaltung landeseigener Liegenschaften sind
die Flächenvorsorge für Aufgaben der Daseinsvorsorge, Stärkung neuer Wohnformen,
für die Ansiedlung und Förderung von Kleingewerbe, innovativen
Gründungen und Kulturwirtschaftsbetrieben sowie zielgruppenorientierte
Flächenangebote für Initiativen des bürgerschaftlichen Engagements stärker zu
berücksichtigen. In einem Konzept für die landeseigenen Liegenschaften sollen
die Potenziale und Instrumente einer an stadtentwicklungs-politischen Zielen
orientierten Verwertung und Verwaltung der landeseigenen Immobilien aufgezeigt
werden.“ (Koalitionsvertrag Berliner Senat).
Die Initiative SBZ Friedrichshain sieht in der Konzeption eines Netzwerkes mit
einem Sozialen Zentrum einen „stadtentwicklungspolitischen“ Ansatz, mit dem
verschiedene Synergie-Effekte über verschiedene Politikfelder hinaus entwickelt
werden können. Auf der oben zitierten Grundlage halten wir es für möglich,
dass der BVV-Ausschuss Stadtplanung und Bauen zu einer Beschlusslage
mit folgenden Kernpunkten kommen kann:
• Das Bezirksamt wird beauftragt, in einem Schreiben an den Liegenschaftsfonds
zu signalisieren, dass BW-Objekt 9131, die ehemalige Führmann-
Schule, nicht in ein Immobilien-Portfolio überführt werden sollte, weil der
Bezirk perspektivisch ein Interesse an der Möglichkeit einer Direktvergabe
hat.
• Der Bezirk sollte gleichzeitig den Liegenschaftsfonds darum bitten, dass die
Initiative SBZ Friedrichshain einen Zugang zum Objekt und den Unterlagen
bekommt, um auf dieser Grundlage eine belastbare Kosten-/ Finanzierungskalkulation
entwickeln zu können.
• Der Ausschuss spricht sich dafür aus, dass die integrierte Netzwerkkonzeption
für Friedrichshain vor den Ausschüssen „Wirtschaft, Bürgerdienste und
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Initiative SBZ Friedrichshain
Ordnungsamt“ und „Bürgerschaftliches Engagement, Demokratieförderung
und Quartiersmanagement“ angehört werden.
• Der Ausschuss sollte die Initiative SBZ Friedrichshain auffordern, nach der
Begehung des Objektes und noch im Juni eine konkrete Finanzierungskalkulation
vorzulegen.
Zweiter Schritt: Präsentation vor dem bezirklichen Bündnis für Wirtschaft
und Arbeit und Erarbeitung einer Beschlussvorlage für die BVV noch vor der
Sommerpause.
• Auf der Grundlage von vorbereitenden BVV-Beschlüssen ist es möglich, die
Konzeptionen für ein „Netzwerk Friedrichshain“ und ein „Soziales Zentrum“
am Frankfurter Tor mit dem Bezirklichen Bündnis für Wirtschaft und Arbeit
so zu konkretisieren, dass daraus ein kompatibler Antragstest für die Bezirksverordneten-
versammlung wird.
• In einer solchen Beschlussvorlage sollten auf Grund einer Machbarkeitsprüfung
durch das Service-Unternehmen „Zukunft im Zentrum“ und auf Initiative
des Bezirkes Gespräche mit den zuständigen Senatsverwaltungen aufgenommen
werden, um einen EU-Förderantrag zu entwickeln und um die
Modalitäten einer möglichen Direktvergabe auszuhandeln.
• In einem zweiten Punkt müsste im Ausschuss „Beschäftigung und JobCenter“
über die bezirklichen Möglichkeiten zur Auflage von Qualifizierungsförderungen
für junge Erwerbslose im Friedrichshain geklärt werden.
• In Zusammenarbeit mit dem beauftragten Serviceunternehmen wird eine
rechtliche Trägerkonstruktion für das Netzwerk und den Betrieb des Sozialen
Zentrums geschaffen.
Dritter Schritt: Bauliche Umsetzung &
Vorbereitung/Aufbau der Kernprojekte
• Die konkrete Umsetzung wird dann möglich werden, wenn die Initiative, der
Bezirk und der Senat zusammengearbeitet haben und auf diesem Wege ein
Projekt eine Zusage aus Brüssel bekommen hat. Das heißt, eine praktische
Bauumsetzung ist frühestens im nächsten Jahr möglich.
• Wir sind der Meinung, dass es für die Umsetzung eines solchen Vorhabens
eine entsprechende Steuerungsrunde geben muss, die im Vorfeld eingerichtet
wird.
Natürlich müssen diese konzeptionellen Überlegungen nach einer politischen
Entscheidung vom Kopf auf belastbare Füße gestellt werden. Die Initiative SBZ
Friedrichshain hat einen Finanzierungsantrag beim Förderprogramm Lokales
Ein soziales Zentrum am Frankfurter Tor
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Initiative SBZ Friedrichshain
Soziales Kapital eingereicht und will bis zum Ende dieses Jahres ein arbeitsfähiges
Netzwerk Friedrichshain umsetzen.
Parallel zu den politischen Entscheidungsprozessen werden gerade Teilprojekte
im Rahmen der Initiative SBZ Friedrichshain aufgebaut. Dazu gehören:
• die Sozialberatung im Mieterladen Kreutzigerstr.,
• der Veranstaltungspool des CloF e.V..
• Ein Projekt für junge Erwerbslose ohne Ausbildungsplatz wird gerade in Kooperation
zwischen dem CloF e.V. und der Gewerkschaftsjugend Berlin-
Brandenburg aufgelegt. Dafür gibt es schon eine Stellenzusage von der DGBSeite
und einen vorbereiteten „Gesellschafter“-Förderantrag.
• In Vorbereitung sind Veranstaltungen für Selbstständige und Freiberufler in
Fragen der Vertragsgestaltung und soziale Sicherungen in Zusammenarbeit
mit dem Ver.di Mediafon-Projekt und mit einem Zusammenschluss von
Selbstständigen, die ein Portal für ein Netzwerk Friedrichshain umsetzen wollen.
Die Initiative SBZ Friedrichshain muss parallel zu dem politischen Entscheidungsprozess
die notwendigen Kernprojekte für das Netzwerk und das Soziale
Zentrum umsetzen. Würden wir den umgekehrten Weg gehen, dann wäre es der
Verzicht auf ein Modellprojekt entsprechend der neuen Fördermöglichkeiten.
VIII. Notwendiges Finanzvolumen & Finanzierung des
zukünftiger Betriebes
1. Instandsetzung des Gebäudes
Nicht nur in Zeiten knapper Haushaltsmittel sollte ein verantwortungsvoller
Umgang mit öffentlichen Geldern erfolgen. In dem Sinne ist eine doppelte Kalkulation
notwendig: Wie teuer wird eine Instandsetzung des ehemaligen Schulgebäudes
und der zugehörigen Grünfläche und wie finanziert sich perspektivisch
der Eigenbetrieb eines Sozialen Zentrums?
Als Referenzwert für die entstehenden Umbaukosten können die bezirklichen
Erfahrungen mit der Instandsetzungen der Schule an der Modersohnstraße herangezogen
werden. Zusätzliche Kosten können einerseits durch eine Zusammenlegung
von zwei Klassenräumen und durch Unterteilungen von Räumen
entstehen.
Kurz vor dem Auszug aus der Schule hatte eine Instandsetzung des Schulgebäudes
begonnen. Diese Inwertsetzung ist leider massiv durch den Leerstand,
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Initiative SBZ Friedrichshain
defekte Fenster, Feuchtigkeit und Zerstörungen innerhalb von einem halben
Jahr eingeschränkt worden. Ein vorläufige Kostenkalkulation können wir vorlegen,
wenn der Liegenschaftsfonds positiv auf den Antrag eines Zugangs zu
den Räumen reagiert.
Die Finanzierung der Inwertsetzung und des Umbaus des Gebäudes muss
primär durch EU-Fördermittel des ESF- und des EFRE-Programms sowie
durch eine nationale Ko-Finanzierung umgesetzt werden.
Die konkrete Umsetzung dieser Ko-Finanzierung muss mit der zuständigen
Arbeitsagentur Friedrichshain-Kreuzberg ausgehandelt werden. Der Bezirk
kann sich seit dem letzten Jahr in diese Fragen mit einschalten und hätte die
Möglichkeit, qualifizierende Jugendförderungen aufzulegen, die über örtliche
Handwerksbetriebe umgesetzt werden.
2. Herrichtung der Außenfläche
Zum jetzigen Zeitpunkt wird die Außenfläche als informeller Hundeauslaufplatz
und als jugendlicher Treffpunkt genutzt (was leider einige zerstörerische Effekte
im Gebäude hat). Ein Teil der Grünfläche wird von einer Anwohnerinitiative als
ein kollektiver City-Garden genutzt und sollte auch so weiterentwickelt werden.
Im Friedrichshainer Zentrum gibt es einen massiven Mangel an ruhigen Grünflächen
und eine verdichtete Bauweise. Die Initiative ist der Meinung, dass der
Bezirk selber die Wiederherstellung der Grünfläche in seine Planung aufnehmen
muss.
• Der Bezirk muss die Fläche auf verschüttete Trümmerreste untersuchen und
diese gegebenenfalls beseitigen.
• In der Umsetzung gibt es verschiedene Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung
in einer konzeptionellen Phase und einer Umsetzung im Rahmen des internationalen
Jugendaustausches.
• Die Initiative SBZ Friedrichshain will das Institut für Permakultur gewinnen,
um ein differenziertes Nutzungs- und Gestaltungskonzept zu entwickeln.16
3. Rechtliche Trägerkonstruktion & Verwaltung der Liegenschaft
„Für politisch gewünschte Impulse der Stadtentwicklung wird die Koalition die Direktvergabe
ermöglichen. Aktivierungs- und Vermarktungsmaßnahmen des Liegenschaftsfonds
für stadtentwicklungspolitisch bedeutsame Liegenschaften sollen vom Senat und
von den Bezirken initiiert werden. Dabei sollen die möglichen Nutzungen, die Inwertsetzung
und die Vermarktbarkeit dargestellt werden. Das Beratungsangebot für
gemeinwesenorientierte und gemeinwirtschaftliche Gruppen, für Initiativen des städtischen
Wohnens (Genossenschaften, Baugruppen) sowie für gewerbliche Nutzer und Interessenten
wird verbessert“ (Koalitionsvertrag Berliner Senat).
Ein soziales Zentrum am Frankfurter Tor
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Initiative SBZ Friedrichshain
Nicht die Immobilie der alten Führmann-Schule hat einen Vermarktungswert,
sondern - wenn überhaupt - kann auf der Fläche ein anderes Bauprojekt umgesetzt
werden. Ein Netzwerk Friedrichshain und ein soziales Stadtteilzentrum
können dagegen solche Impulse für eine gewünschte Stadtentwicklung geben,
dass es auf Antrag des Bezirkes und mit Zustimmung von SenFin zu einer
Direktvergabe der Liegenschaft an die rechtliche Trägerkonstruktion kommen
kann.
Wir sehen zwei mögliche Wege, um eine rechtliche Trägerkonstruktion zu schaffen:
• Der Bezirk bleibt Eigner der Liegenschaft, aus dem Netzwerk wird ein Verein
als Rechtsform gebildet, der als Generalmieter agiert. Der Vorteil für den
Bezirk wäre, dass damit langfristig eine Liegenschaft gesichert wird, auf die er
gestalterisch zurückgreifen kann.
• Oder: Als rechtlicher Träger wird eine gemeinnützige Genossenschaft Friedrichshain
gegründet, der Initiativen, Einzelprojekte und Träger beitreten und
die als ein gemeinnütziger Akteur für Friedrichshain aufgebaut wird. Diesen
nachhaltigen Ansatz würde die Initiative SBZ Friedrichshain bevorzugen.
Die direkte Nutzfläche im Gebäude beträgt zirka 2800 m2. Für die Kernprojekte
des Stadtteilzentrums (Kiezkantine, Veranstaltungs- & Ausrüstungspool, Werkstatträume,
Kontakt- und Informationsstelle, Medienprojekt Schaufenster, Büro)
wird eine benötigte Fläche von 1000 m2 kalkuliert.
Wenn es zu einem Zusammenwirken der Initiative, des Bezirks, des Bezirklichen
Bündnisses für Wirtschaft und Arbeit, der Service-Gesellschaft „Zukunft im
Zentrum“ und dem Senat kommt, dann ist es möglich, vor der Sommerpause
dieses Konzept auf seine Machbarkeit und Umsetzbarkeit zu prüfen und einen
Förderantrag für die neue Förderperiode der EU zu entwickeln.
Bei der Umsetzung eines solchen Bauvorhabens kann auf das Finanzierungsmodell
der Kirchhof gGmbH zurückgegriffen werden. Als nationale Ko-Finanzierung
werden qualifizierende Beschäftigungsmaßnahmen durch das Job-
Center aufgelegt und der Bau in Zusammenarbeit mit spezialisierten Handwerksunternehmen
und der IHK umgesetzt. Als ein erfahrener Projektträger
würden wir gern den Verband für interkulturelle Arbeit mit Sitz in Friedrichshain
gewinnen.
Wenn die Liegenschaft mit öffentlichen Mitteln saniert und dann übergeben
wird, dann setzt sich zukünftig der Mietpreis aus den notwendigen Rücklagen
Ein soziales Zentrum am Frankfurter Tor
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Initiative SBZ Friedrichshain
und den anfallenden Betriebskosten zusammen. Investitionen in Energieprojekte
senken langfristig die Betriebskosten. In einer solchen Situation ist es möglich,
mit Miet- und Betriebskosten um 3,50 € zu kalkulieren.
„Seien wir Realisten und wagen das Unmögliche!“ Dieser Leitspruch von Che-
Guevara gilt immer, wenn die gewohnten Pfade verlassen werden. Uns ist bewusst,
dass eine gelingende Kooperation zwischen einer bürgerschaftlichen Initiative,
dem Bezirk und dem Senat immer nur eine seltene Ausnahme war. Aber
gerade weil die Schuldenfalle dem Land Berlin enge Grenzen setzt, ist ein Blick
jenseits des unmittelbaren Problemhorizonts wichtig und die wichtigste Ressource
bleibt in solchen Situationen die Initiative von unten und eine Kultur
des Ermöglichens in den politischen Entscheidungsräumen.
IX. Kontakt zur Initiative SBZ Friedrichshain
CloF (Creativ Lobby of Future / Kampagne Musik gegen Gewalt)
über den Mieterladen UBI KliZ e.V.
Kreutzigerstr. 23
10247 Berlin
Mail: orga@clof.eu / Tel.: 030 50566359
Endnoten:
Ein soziales Zentrum am Frankfurter Tor
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1
Berliner OP EFRE für die EU-Finanzperiode 2007 bis 2013, S. 115 und 117
2
ebd., S. 94
3
Der Zwang zum Schlachten auf dem städtischen Schlachthof grenzte auf der anderen
Seite ab, Osram und die Glaswerke prägten den Stralauer Kiez.
4
Dieses Gebiet und die Alleen haben in DDR-Zeiten ihr soziales und DDR-bildungsbürgerliches
Eigenleben entwickelt.
5
Dazu gehörten z.B. die E-LOK im Stralauer Kiez oder Kängeruh. Im Rahmen der Sozialraum
AG wurde die Mittelkürzung so moderiert umgesetzt, dass einige Projekte unter
ein Dach ziehen mussten.
Initiative SBZ Fr i e d r ic h s h a in Ein soziales Zentrum am Frankfurter Tor
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6
Das Heimatmuseum Friedrichshain wurde in das Kreuzberg Museum integriert. Die
Räumlichkeiten der Alten Feuerwache werden unter dem Namen "Alte Feuerwache - Projektraum"
jetzt für wechselnde Ausstellungen genutzt. Es ist eigentlich unverständlich,
dass bis auf das Café Sibylle kein Ort geschaffen oder erhalten wurde, an dem die Geschichte
dieses längsten Architekturdenkmals erzählt wird. Hier lassen sich gesell-schaftliche
Umbrüche in der alten DDR zeigen und mit den Entwicklungen um das Hallesche
Tor vergleichen.
7
Emmerich A.: Die gewerbliche Entwicklung im Gebiet Boxhagener Platz (Berlin-Friedrichshain)
im Spannungsfeld von sozialer Dynamik, Milieuschutz und wettbewerbs-orientierter
Stadtpolitik, Diplomarbeit HU-Berlin, Geographisches Institut, eingereicht Juni
2006.
8
In dieser Zeit fand in diesem Gebiet eine systematische Gewerbe- und Verkaufsflächenwiederherstellung
der Ladenzeilen statt und ein positives Image des „Boxis“ sollte
hergestellt werden.
9
Siehe Sozialerhebungen der ASUM GmbH: http://www.asum-berlin.de
10 Häufiger Mieterwechsel führt zu überdurchschnittlichen Mietsteigerungen, die sich
dann wieder nur „Wohngemeinschaften“ leisten können. Damit erhöht sich der Druck auf
preisgünstige Wohnungen, die in der Größe und Miethöhe kompatibel zum AV Wohnen
und Hartz IV sind. Die Grenzen der Kosten der Unterkunft (KdU) sind zu niedrig, insbesondere
angesichts der Nebenkosten-Entwicklung 2005 und 2006. Darüber hinaus führen
zunehmend Zahlungsrückstände von Mietern (Miete, Gas, Strom) zu Räumungen und
Obdachlosigkeit. Auch die noch in WE verbliebenen ALG-II-Mitbürger leben unter diesem
Damoklesschwert, die soziale Verelendung – häufig verbunden mit Suchtproblemen –
nimmt zu.
11 Siehe Jugendhilfebericht 2006.
12 Die soziale Kehrseite des „Freelancer-Daseins“ sind diskontinuierliche Einkommen,
Projektabgabedruck, Risiken im Krankheitsfall und leider rechtliche Auseinandersetzung
wegen mangelnder Zahlungsmoral oder Urheberrechtsverletzungen.
13 Siehe Koalitionsvertrag Berliner Senat:
http://www.berlin.de/rbmskzl/koalitionsvereinbarung/abss10.html
14 ebd. Koalitionsvertrag Berliner Senat
15 Die Qualität eines Netzwerkes misst sich nicht einfach an der Anzahl der Knotenpunkte
sondern an der Infrastruktur, die es für Austausch und Kommunikations-prozesse zwischen
Individuen, Gruppen, Organisationen und Gewerbe bereit stellt. Durch Netzwerke
werden Handlungsorientierungen (Normen) erworben und sanktioniert. Kooperationsformen
und synergetische Effekte wird es nur dann geben, wenn gemeinsame Ressourcen
geschaffen werden. Siehe auch: Diaz-Bone R.: Eine kurze Einführung in die sozialwissenschaftliche
Netzwerkanalyse (SNA), Institut für Journalistik & Kommunikationsforschung
Hochschule für Musik und Theater Hannover.
http://www.agis.uni-hannover.de/EQQS/modulijk/Netzwerkanalyse.pdf
16 Siehe dazu unter: http://www.permakultur.de/
…
… ist zum Ende des Jahres 2006 entstanden. Einige Kiez-Akteure und hier
arbeitende Vereine haben sich zusammengeschlossen, um eine Initiative für ein
Stadteilzentrum in Friedrichshain zu schaffen. Schon bei den vorbereitenden
Überlegungen wurde sehr deutlich, dass der Weg zum SBZ sinnvoll nur über
die Initiierung eines „Netzwerkes Friedrichshain“ innerhalb der schon bestehenden
Projektlandschaft führen kann. Erst durch ein „Soziales Zentrum“ kann
ein „Netzwerk Friedrichshain“ mehr sein als eine Kooperation zwischen verschiedenen
Akteuren in Friedrichshain. Ein „Soziales Zentrum“ ohne ein tragendes
Netzwerk wäre eine weitere öffentliche Investition in ein Projekt, das aus
strukturellen Gründen unter seinen Möglichkeiten bleiben würde.
Einige Gruppen aus der Initiative nutzen für die eigene Arbeit das Asyl in den
begrenzten Räumen des Mieterladens in der Kreuzigerstr. 23. Andere Akteure
arbeiten in Projekten oder Bürgerinitiativen in Friedrichshain mit und haben
ein Interesse daran, die Erfahrungen aus 15 Jahren Bürgerbeteiligung in Fragen
der sozialen Stadtentwicklung weiterzuführen.
Viele von uns kennen die Umsetzungsprobleme von Projekten in kleinen
Trägern und die Arbeit in Bürgerinitiativen. Neben dem CloF e.V. mit seiner
Kampagne „Musik gegen Gewalt“ gehört auch die Sozialberatung im Mieterladen
zu den Trägern der Initiative SBZ Friedrichshain. Zum weiteren Umfeld gehören
weitere Akteure in den Betroffenen-vertretungen der Sanierungsgebiete
und in den verschiednen Initiativen, wie dem Weltfest auf dem Boxhagener
Platz.
Nach der Wiedervereinigung hat Friedrichshain erhebliche Umbrüche erlebt,
bis hin zur Zusammensetzung seiner Bewohnerschaft. Dies verursacht vielfältige
Probleme, beinhaltet aber auch Chancen, die systematisch genutzt werden sollten.
Wir alle sind als „teilnehmende Beobachter“ davon überzeugt, dass in
Friedrichshain - trotz oder sogar wegen - dieser Umbrüche wichtige Potentiale
für das Projekt vorhanden sind.
In Umbruchzeiten der klassischen Erwerbsarbeit bekommt Qualifizierung als
Eigenarbeit eine immer größere Bedeutung. Das Netzwerk muss nicht nur selbst
als eine „lernende Organisation“ funktionieren, sondern Lernangebote schaffen,
über die soziale Kompetenzen und der Umgang mit den neueren Wissens-
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Initiative SBZ Friedrichshain
technologien vermittelt werden, um damit auch eine „Arbeitsmarktnähe“ zu
stärken.
Es geht uns nicht darum, ein weiteres Projekt für soziale Angebote im Friedrichshain
aufzubauen. Wir meinen, dass es gerade in Zeiten der dauerhaften
Verschuldung des Landes Berlin und steigender sozialer Problemlagen notwendig
ist, neu integrierende Ansätze aus den spezifischen lokalen Sozialkapitalen
zu entwickeln. Dazu müssen auch Aspekte der Unternehmensentwicklung,
technischer Innovationen, aber auch der touristischen Attraktivitätssteigerung
gehören.1
Die gerade beginnende EU-Finanzperiode 2007 – 2013, bzw. die Definition der
Berliner Förderinstrumente, sollte in Friedrichshain in den kommenden Jahren
so umgesetzt werden, dass mit komplementären Interventionen der Strukturfonds
ESF und EFRE möglichst hohe Synergieeffekte erzielt werden können.
Ansatzpunkt ist aus unserer Sicht hierbei die Prioritätsachse 3 des Berliner operationellen
Programms zur Umsetzung des EFRE „Integrierte Stadtentwicklung
und Umwelt“.
Es geht uns um die Definition eines auf Friedrichshain abgestimmten Maßnahmenbündels
sowie der daraus abgeleiteten Umsetzungsstränge, zu dem wir
lediglich einige Bausteine beitragen wollen. Der Vorschlag, am Frankfurter Tor
ein Stadtteilzentrum zu errichten, versteht sich einerseits als ein solcher Baustein,
andererseits als einer der tragenden infrastrukturellen Knotenpunkte, die
das Netzwerk Friedrichshain ausmachen sollen. Es geht uns um die Definition
einer lokalen Entwicklungsstrategie, die Friedrichshain lebbarer und begehbarer
macht, die die vielen versteckten Schätze hebt, aber auch vorhandene Angebotslücken
schließt.2
Ziel ist es, Friedrichshain zu einem Modell-Bezirk zur Umsetzung der Interventionen
des ESF sowie EFRE zu machen. Um dies entwickeln und steuern zu
können, müsste das Bezirkliche Bündnis für Wirtschaft und Arbeit (BBWA)
deutlich aufgewertet werden. Auch die Interventionen des Jobcenters Friedrichshain-
Kreuzberg auf dem lokalen Arbeitsmarkt müssten im Sinne der sozialen
Stadtentwicklung in dieses Konzept eingepasst werden.
Zu einer integrierten Entwicklungsstrategie muss auch gehören, dass die Sozialraum
AG´s nicht nur aufgewertet und in diesen Prozess eingebunden, sondern
auch qualitativ weiter entwickelt werden.
Ein sozio-kulturelles Stadtteilzentrum am Frankfurter Tor soll einerseits die Erschließungsfunktion
für Friedrichshain übernehmen; andererseits soll es ein
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Initiative SBZ Friedrichshain
Realisierungsort für Projekte sein, die es entweder in den angrenzenden Sozialräumen
noch nicht gibt oder die aufgrund des Druckes von steigenden Mieten
einen langfristig gesicherten Standort suchen. Es ist sinnvoll, in einem Zentrum
selbst verschiedene Kernprojekte zu betreiben, die als Anker für thematische
Plattformen mit verwandten Projekten in den Quartieren fungieren können. Es
geht darum, die Stärke der engen Verflechtung in die Kieze mit einer gemeinsamen
Erschließungs- und Präsentations-plattform zu verbinden.
Im Netzwerk Friedrichshain mit einem Sozialen Zentrum am Frankfurter Tor
sollen konkrete Ansätze der solidarischen Ökonomie und Lebensweise verknüpft
werden mit der Förderung von wirtschaftlichen Unternehmungen. Die
Innovation der „Marke Friedrichshain“ muss darin bestehen, beide Zielstellungen
in ein produktives Spannungsverhältnis zu bringen, um soziale und stadtentwicklungspolitische
Effekte im Sinne der BewohnerInnen und als Angebot
für die BesucherInnen für ein lebenswertes und lebendiges Friedrichshain zu
entwickeln.
Zielstellung der Initiative SBZ Friedrichshain ist es, aus den beiden Handlungsansätzen
des Netzwerkes Friedrichshain und einem sozialorientierten Stadtteilzentrum
am Frankfurter Tor eine gemeinnützige Genossenschaft Friedrichshain
zu gründen.
II. Situation in Friedrichshain -
ein paar teilnehmende Betrachtungen
Friedrichshain hat eine Geschichte mit verschiedenen, prägenden, Umbrüchen.
Das
19. Jahrhundert drückte den industriellen Stempel auf diesen Randbereich der
ent-stehenden Großstadtmetropole Berlin. Die Flussschifffahrt und vor allem
die Bahn zerteilten das Gebiet zwischen Spree und Boxhagener Gut.3
Der Stadtbezirk hat seine Prägung durch den industriellen Schlachthof für Berlin
oder dem großen Reparaturwerk für die Bahn bekommen. Hier war nicht
gerade ein bildungsbürgerlicher Wohnort, sondern die Kultur der Arbeiterbewegung
und der Gewerbetreibenden, die den Kiezen einen Stempel aufgedrückt
haben.
Für alle Friedrichshainer spürbar ist die markante Unterversorgung mit öffentlichen
Grünflächen. Im Stadtbezirk gab es nie eine zentrale Platzsituation,
welche die Funktion eines verbindenden und erschließenden Zentrums übernommen
hat. Wenn überhaupt, dann erzeugen Verkehrsachsen diese Wirkung.
Der Friedrichshain wird weiterhin der Volkspark in Richtung Prenzlauer Berg
Ein soziales Zentrum am Frankfurter Tor
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Initiative SBZ Friedrichshain
sein, während es in Friedrichshain eine Ansammlung von eigenständigen Quartieren
und Kiezen gibt. Irgendwie ist hier das Ganze eben nicht mehr als die
Summe seiner Teile.
Diese zerteilte sozialräumliche Struktur ist dann im 20. Jahrhundert noch einmal
durch die Magistrale Karl-Marx- bzw. Frankfurter Allee als Teil der Hauptstadtpläne
von Ulbricht aufgebrochen worden. Westlich der Warschauer Straße,
rund um die Weberwiese, bekommt diese Planung eine räumliche Tiefe.4
Seitdem prägt die Durchgangsstraße mit allen Spielarten der DDR-Architektur
den Stadtteil, während in den dahinter liegenden Kiezen der „Spuk der kapitalistischen
Hinterhäuser“ abgerissen werden sollte, um Platz für den genormten
sozialistischen Plattenbauten, wie in der Rigaer Straße, zu schaffen.
Ein Erbe der DDR-Hauptstadtplanung waren vernachlässigte Gründerzeitquartiere
und ein dringender Sanierungsbedarf in diesen Altbaubeständen. Ab 1992
wurden in Friedrichshain drei Sanierungsgebiete und später ein Milieuschutzgebiet
festgeschrieben (Samariterviertel, rund um den Traveplatz, Warschauer
Straße, und der Boxhagener Platz als Milieuschutzgebiet).
Typisch ist immer noch eine verdichtete Bebauung mit vergleichsweise wenigen,
häufig übernutzten, öffentlichen Räumen, die zu einem Aufenthalt geeignet
sind. 80 % der Häuser des Samariterviertels und 60 % der Gebiete Traveplatz,
Boxhagener Platz und Warschauer Straße sind mittlerweile erneuert. Öffentliche
und private Finanzmittel konzentrierten sich auf diese Gebiete, während z.
B. das Bersarin-Viertel vor sich hin gammelte. Diese Finanzen sind vorrangig in
die Sanierung der Immobilien geflossen, während die ursprünglich geplante
Sanierung des öffentlichen Raumes, z. B. durch den Bau von Kinderspielplätzen
bzw. die Erneuerung der Grünflächen, erst in den letzten fünf Jahren partiell
angegangen wurde. Mit der absehbaren Aufhebung der Entwicklungssatzungen
werden die Finanzmittel zum Ende der Dekade spürbar zurückgehen, die
Sanierung der sozialen und ökologischen Infrastrukturen (Sporteinrichtungen,
Parks, Hundeauslaufplätze, Kinder- und Jugendeinrichtungen, etc.) droht dann
auf der Strecke zu bleiben.
Nach der Gründerzeit der 90iger Jahre konnten einige Standorte im Bereich der
freien und kommunalen Träger (Abenteuerspielplatz & Platzhaus am Forkenbeckplatz
oder E-LOK) ausgebaut werden.5 Öffentliche Finanzen wurden in
Selbstausbauobjekte und angeschlossene Kulturprojekte gesteckt (z. B.
Kinzigstr. 9).
Ein soziales Zentrum am Frankfurter Tor
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Initiative SBZ Friedrichshain
Natürlich sind die Folgen der Berliner Schuldenfalle nicht am Bezirk vorbei gegangen.
Die Kürzungen und Standortzusammenlegungen sind nur über die Interessenaustragungen
in der Sozialraum AG moderierbar gewesen. Die Folge
von solchen aufgenötigten Verteilungskämpfen ist ein Strukturkonservatismus,
um den schwer ausgehandelten Kompromiss nicht in Frage zu stellen. Der Status
Quo führt aber auch immer dazu, dass die kleinen wie die großen Träger,
jeweils allein auf sich gestellt, deutlich unter ihren Möglichkeiten bleiben
müssen. 6
Im wahrsten Sinne des Wortes ist mit dem 21. Jahrhundert wieder ein tiefgreifender
Umbruch im sozialen Gefüge und den sozialräumlichen Strukturen im
Friedrichshain festzustellen. Zwischen 2001 und 2003 wurden aus der Simon-
Dach-Straße und ihrem Umfeld eine touristische Kneipenmeile und damit
treibt sie eine neue Investitions- /Aufwertungswelle an.7 Im Milieuschutzgebiet
Boxhagener Platz wurde 1999 ein Quartiersmanagement aus dem Programm
„Soziale Stadt“ eingeführt. 2006 wurde es vom Senat wieder eingestellt, angeblich
weil die positive Entwicklung des Quartiers ein solches Instrument überflüssig
mache.8
Besonders schwerwiegende Konsequenzen auf die sozialen Problemlagen der
Wohnbevölkerung zeitigt die Modernisierung der Immobilien in Verbindung
mit der starken Fluktuation in der Bewohnerschaft. Friedrichshain ist geprägt
von sozialer Isolation und einem stark ansteigenden Mietpreisniveau. Ein Rückzug
aus der hoheitlichen Daseins-Vorsorge und aus der sozialen Problembearbeitung
durch handlungsfähige Akteure (Jugendhilfe & Trägerlandschaft) ist
nicht nur hinsichtlich der Verwahrlosung des öffentlichen Raumes erkennbar
geworden. Die öffentliche Hand beschränkt sich zunehmend auf nachsorgenden
Aktionismus im Einzelfall.
Fast 50 % der Bevölkerung leben unterhalb der offiziell definierten Armutsgrenze.
9 Das ist nicht allein eine Folge von Hartz IV. Zu den Menschen, die mit zirka
1000 € im Monat auskommen müssen, gehören genauso Vollzeitbeschäftigte im
Niedriglohnbereich, Mehrfachjobber, abhängige (Schein-)Selbständige, Kaufleute
in den Erdgeschoss-gewerbeflächen und Menschen mit befristeter Erwerbsarbeit
in diversen „Projekten“. StudentInnen machen mittlerweile fast ein
Viertel der MieterInnen im Gründerzeit-Gebäudebestand aus, die oftmals nur in
der Ausbildungszeit BewohnerInnen von Friedrichshain sind.10 Feststellbar ist
ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum für einkommensschwache Mitbürger
und junge Familien.11
Ein soziales Zentrum am Frankfurter Tor
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Initiative SBZ Friedrichshain
Andererseits sind die Friedrichshainer Gewerbehöfe vielfach zu einem Biotop
der „Medien- und Kreativwirtschaft“ geworden. Friedrichshain ist hier ein
Nachzügler, nachdem die letzten „Freiräume“ in Prenzlauer Berg, Mitte und
Kreuzberg erschlossen wurden.12 Die De-Industralisierung der 90er Jahre und
die alten Gewerbehöfe waren eine wesentliche Voraussetzung für dieses Entwicklungspotential.
Der mit dieser Entwicklung verbundene Aufwertungsdruck
bei den Mieten produziert inzwischen eine Verdrängung von alten Gewerben -
mittlerweile selbst von „Pionieren“ der ersten Erschließungsphase.
Wer die Innenstadt als Wohn- und Arbeitsort für sozial unterschiedliche
Bevölkerungs-gruppen bewahren und qualifizieren will, der muss auch Lösungsmöglichkeiten
für diese sozialen Risiken entwickeln. Der Berliner Senat
will:
„Die Soziale Stadtentwicklung als differenzierte Berliner Strategie zur Überwindung
ungleicher Lebenslagen in Stadtquartieren fortsetzen. Dabei kommt der Unterstützung
bürgerschaftlicher Beteiligungsprozesse zur Stärkung des zivilgesellschaftlichen Engagements
eine zentrale Rolle zu. Bürgerinitiativen, Betroffenenvertretungen oder Runde
Tische, aber auch Ansätze wie Bürgerhaushalt, werden unterstützt und verbreitert, um
die Identifikation der Menschen mit der Stadt und ihrer Lebensumgebung, ihrer Wohnsituation
und vor allem mit dem öffentlichen Raum zu stärken“ (Koalitionsvertrag).13
Die Initiative SBZ Friedrichshain will mit dem Konzept für ein „sozial belebtes
Zentrum“ am Frankfurter Tor sowie eines „Netzwerk Friedrichshain“ konkrete
Vorschläge für die Umsetzung dieses Zieles vorlegen.
III. Ein Netzwerk Friedrichshain mit einem sozial belebten
Zentrum am Frankfurter Tor
„Bei den Konzeptionen und Maßnahmen zur Überwindung sozialer Defizite sind die
Partizipation der Bürgerinnen und Bürger, die Einbeziehung der lokalen Institutionen,
von Trägern und Initiativen, ein integriertes ressortübergreifendes Vorgehen, die Bündelung
von Ressourcen und die Einbeziehung des Raumbezugs in die fachpolitische Ausrichtung
sicherzustellen. Mit ausgewählten Pilot-Bezirken soll der Prozess des sozialraumorientierten,
ressortübergreifenden Stadtteilmanagements ausprobiert werden“
(Koalitionsvertrag Berliner Senat).14
Im Friedrichshainer Zentrum gibt es Handlungsbedarf durch zwei gleichzeitige
Vorgänge: ...den Aufwertungsdruck bei Wohnimmobilien, insbesondere im Samariterviertel
und um den Boxhagener Platz, sowie eine Konzentration der multiplen
sozialen Problemlagen, verursacht durch Armut, lang anhaltende Erwerbslosigkeit
und prekäre, ungesicherte Beschäftigungen im Niedriglohnbereich.
Ein soziales Zentrum am Frankfurter Tor
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Initiative SBZ Friedrichshain
Es geht beim vorgelegten Zentrums-Konzept nicht darum, eine öffentliche Finanzierung
für einen weiteren freien Träger so zu begründen, dass er eine bessere
Konkurrenzposition im Verteilungskampf um öffentliche Mittel bekommt.
Wir wollen auch nicht nur die gängige Metapher des Netzwerkens bedienen.15
Unserer Meinung nach gibt es strukturelle Gründe, weshalb viele Projekte trotz
einer jeweils guten Arbeit unterhalb des Potentials ihrer Möglichkeiten bleiben.
Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass es gerade nach dem Ende von Sanierungsmaßnahmen
und Quartiermanagement tragende Strukturen für diese
bürgerschaftlichen Aktivitäten, Einmischungen und ankommende Sozialarbeit
geben muss.
Die Initiative SBZ Friedrichshain ist der Meinung dass es möglich ist, aus den
beiden Entwicklungsansätzen eines Netzwerkes und eines Sozialen Zentrums
nachhaltige Antworten aus den Problemen und Potentialen in Friedrichshain zu
entwickeln.
1. Das „Netzwerk Friedrichshain“ soll...
• die soziale und kulturelle Initiativen- und Projektlandschaft mit den innovativen
Gewerbebereichen der Medien- und Kreativwirtschaft vernetzen;
• Synergien durch gemeinsam genutzte Ressourcen und Präsentationen erzeugen;
• damit bürgerschaftliche Arbeit stärken und Effekte für die lokale Wirtschaft
erzeugen, indem zusammen ein „soziales und lebenswertes Friedrichshain“
umgesetzt wird und daraus erst eine „Marke Friedrichshain“ entsteht;
• eine Kommunikationsplattform herstellen, auf der Interessenkonflikte der
sozialen Stadtentwicklung und zentrale Bauvorhaben erst austragbar sind
• ;
• Beiträge leisten zur Evaluation, Qualifizierung und Weiterentwicklung der
Projekte;
• systematisch Ansatzpunkte für Qualifizierung und Beschäftigung von bislang
arbeitsmarktfernen Teilen der Bevölkerung herausbilden, deren Dienstleistungen
wiederum den Quartieren zugute kommen.
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Initiative SBZ Friedrichshain
2. Das Stadtteilzentrum soll...
• eine zentrale Lotsen- und Erschließungsfunktion für Kiezbewohner und
Besucher übernehmen;
• ein Standort sein für einzelne Einrichtungen und Projekte, die eine zentrale
Repräsentanz benötigen;
• ein fester Ort für Projekte/Einrichtungen sein, die bekannt und leicht anlaufbar
sein müssen;
• eine Plattform sein für neue, sinnvolle und förderungswürdige Projekte;
• ein zentraler „Netzwerk“-Standort sein.
3. Die Initiative möchte...
• das Entstehen eines Stadtteilzentrums und des Netzwerkes fördern;
• eine zielorientierte Anregungs-, Koordinierungs- und Verbindungsfunktion
für die beteiligten Akteure übernehmen;
• konkrete Aktivitäten und Schritte zur Zielerreichung als dienstleistende Plattform
durchführen und auswerten.
• Dieser Prozess muss definiert, moderiert und gesteuert werden. Dabei muss
einerseits die Funktionstrennung zwischen fördermittelnehmenden Leistungserbringern
und prüfenden bzw. evaluierenden Instanzen gewahrt bleiben,
andererseits müssen aber die lokalen Akteure systematisch eingebunden werden.
• Diesbezüglich schwebt uns eine deutliche Aufwertung des Bezirklichen
Bündnisses für Wirtschaft und Arbeit Friedrichshain-Kreuzberg (BBWA FK)
sowie des EU-Referates im Bezirksamt vor. Auf diese Struktur müssten Mittel
der sog. Technischen Hilfe konzentriert werden.
• BBWA und EU-Referat müssten personell gestärkt und zur Beauftragung
externer Dienstleister für einzelne Leistungen befähigt werden. Die Verzahnung
mit den Entscheidungsprozessen der Bezirksvertretung bzw. des Bezirksamtes
müsste ebenso verbessert werden wie die Einbindung der leistungserbringenden
Netzwerke - z. B. die Sozialraum-AGs oder Foren der Bürgerbeteiligung.
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Initiative SBZ Friedrichshain
4. Querverbindungen durch Projektplattformen ...
• können unserer Meinung nach aus den Zielsetzungen des Netzwerkes abgeleitet
werden. Die konkrete Ausgestaltung der Projektplattformen in und außerhalb
des Stadtteilzentrums soll im Rahmen von mehreren Werkstattveranstaltungen
entwickelt und im Rahmen einer Förderung durch das Lokales Soziales
Kapital für soziale Zwecke umgesetzt werden.
• Aus unserer Sicht soll das folgende Bereiche umfassen:
• gemeinsame Aktivitäten von Trägen der freien Kinder- und Jugendarbeit, der
Seniorenarbeit sowie von sozialen und kulturellen Projekten,
• soziale Dienste und Selbsthilfeangebote,
• Entwicklungshilfe für abhängig tätige Selbständige mit diskontinuierlichem
Einkommen sowie für Menschen in prekären, ungesicherten Beschäftigungsverhältnissen
• Bürgerbeteiligung und Kiezaktivierung
• Energiesparendes Bauen und Einsatz regenerativer Energien
• Pflege und Entwicklung der öffentlichen Grünanlagen
• die gemeinschaftliche Präsentation der lokalen Kultur- und Medienwirtschaft
unter Einbindung der sonstigen gewerblichen Aktivitäten von Kleinst-Unternehmen.
5. Kernprojekte die im Zentrum ansässig sind ...
• sind solche Projekte, die zentrale und erschließende Funktionen für das
Netzwerk und die gesamte Friedrichshainer Initiativen-, Projekt- und Gewerbelandschaft
übernehmen. In der Zeit einer Gesamtprojektentwicklung und
Beantragung müssen erste Ansätze für diese Kernprojekte arbeitsfähig gemacht
werden. Aus der Sicht der Initiative wären das folgende Projekte:
• der Info-Pool mit Web-Präsenz, Ortsteil-Magazin und wechselnden Ausstellungen
• der Veranstaltungs-Pool, z. T. ausgestattet auch mit technischer Infrastruktur
zur Nutzung des öffentlichen Raumes (Stände, Bühne usw.)
• die Kiez-Küche mit angeschlossener, kostenloser Lebensmittelverteilung für
Bedürftige
• das energiewirtschaftliche Projekt mit angeschlossenen Beratungen
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Initiative SBZ Friedrichshain
• die Grünflächenpflege mit angeschlossener Beratung zur Hinterhof- und
Fassaden-Begrünung
• die Gründungs- und Projektberatung
• das Büro für Bürgerbeteiligung und Begleitung der Sozialen Stadterneuerung
• die niederschwellige Sozialberatung und begleitende Dienste, wie z. B. ein
Streetworker Servicepoint oder Sucht-Selbsthilfeangebote
• die Geschichtswerkstatt Friedrichshain
IV. Wieso ein Soziales Zentrum am Frankfurter Tor?
Friedrichshain ist nicht nur im Vergleich mit Kreuzberg an Stadtteilzentren unterversorgt.
Ein Blick auf eine Zentren-Standortkarte für freie und kommunale
Träger zeigt: Mit der Alten Feuerwache gibt es ein kulturorientiertes Stadtteilzentrum
im Sozialraum VII, mit der E-Lok ein jugendorientiertes Zentrum für
die Bereiche 3 und 4 des Sozialraums VIII zwischen dem Bahngelände und der
Spree, das Nachbarschaftszentrum Nixenkai auf der Stralauer Halbinsel, das
Nachbarschaftszentrum RuDi in der Modersohnstraße und das familienorientierte
Platzhaus beim Abenteuerspielplatz am Forkenbeckplatz als Anlaufpunkt
für den Nordkiez.
Das Zentrum dieses Ringes bilden die Quartiere um den Boxhagener und den
Traveplatz und hier gibt es keinen Standort, der die Funktion eines Stadtteilzentrums
inne hat.
Die Senatsparteien erklären, dass sie - aufbauend auf der „Zukunftsinitiative
Stadtteil“ - dem Integrationskonzept und dem Konzept Stadtteilzentren die
Rahmenstrategie der Sozialen Stadtentwicklung ressortübergreifend weiterentwickeln
wollen: „Ein wesentliches Element ist die dauerhafte Sicherung der
Rahmenbedingungen für selbstorganisiertes bürgerschaftliches Engagement“
(Koalitionsvertrag). Aus Sicht der Initiative SBZ Friedrichshain sind die kleinteiligen
Projekte, die sich in den jeweiligen sozialräumlichen Situationen der
Quartiere entwickelt haben, eine Stärke der Friedrichshainer Projektlandschaft.
Auf der anderen Seite sind aber ressort- und quartiersübergreifende Ansätze
notwendig. Diese Leistung kann ein Netzwerk Friedrichshain als reine Kommunikations-
Plattform nicht erbringen, wenn nicht ein Soziales Zentrum diese
verbindende Funktion übernimmt. Es gibt zur Zeit nicht einmal einen zentralen
Ort, an dem sich Gruppen unentgeltlich treffen können.
Wir sehen fünf Argumente für ein Stadtteilzentrum am Frankfurter Tor:
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1. Hier befindet sich – im Schnittpunkt der Magistralen – der urbane Kontenpunkt
des Ortsteiles mit zentrierender Wirkung. Wenn ein Netzwerk Friedrichshain
eine erschließende Funktion für Friedrichshain entwickeln soll,
dann sollte sein Zentrum auch dort liegen, wo sich die meisten Wege von
BewohnerInnen und BesucherInnen kreuzen.
2. Es ist aus unserer Sicht sinnvoll, durch die Verkehrsberuhigung und den
Umbau der Boxhagener Straße, zwischen Wismarplatz und Warschauer
Straße, eine – auch touristische – Erschließung des Quartiers zwischen der
Frankfurter Allee und dem Boxhagener Platz herbei zu führen. Nicht von
ungefähr hat der Boxhagener Platz bereits überörtlichen Marken-Charakter.
Ein Stadtteilzentrum an dieser Stelle kann einerseits eine Brückenfunktion
in die anderen Quartiere übernehmen, andererseits den zentralen Anlaufpunkt
für interessierte Touristen, Investoren oder Zuzügler darstellen.
3. In dem Gebiet um die Frankfurter Allee, der Warschauer Straße und dem
Traveplatz gibt es eine Unterversorgung im Bereich der öffentlichen Versammlungs-
räume, Freizeitangebote und vor allem von öffentlicher Grünfläche.
Die ehemalige Franz-Führmann-Schule, mit der umgebenden Außenfläche,
lädt gerade zu ein, mit Anwohnern einen Citygarden umzusetzen
und das Zentrum von Friedrichshain wieder soziokulturell zu beleben.
4. Der Gründerzeitbestand in Friedrichshain hat sich in den letzten Jahren zu
einem – durch seine Kleinteiligkeit geprägten – Zentrum der Berliner Kultur-
und Medienwirtschaft entwickelt, für die ein zentraler gemeinsamer
Marktauftritt unter einer „Marke F`hain“ von wachstumsinduzierender, und
damit beschäftigungswirksamer, Bedeutung ist.
5. Der Standort am Frankfurter Tor ist nicht alternativlos, das Zentrum für ein
Netzwerk Friedrichshain könnte auch im Rahmen der Erschließung des
RAW-Geländes entwickelt werden. Wir halten es nur nicht für sinnvoll, so
ein Projekt dort zu platzieren, wo eins der größten Bauprojekte in Friedrichshain
in nächster Zeit umgesetzt werden soll.
V. Wieso ein Stadtteilzentrum mit sozialen Ausrichtung?
In einem Sozialen Zentrum am Frankfurter Tor soll es neben den Erschließungsfunktionen
für ein Netzwerk Friedrichshain eine Schwerpunktsetzung auf
die neuen Formen der prekären Arbeits- und Lebensverhältnisse geben, die
möglichst mit eigenen Handlungsansätzen verbunden sein sollen. Dazu gehört
aus Sicht der Initiative:
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Initiative SBZ Friedrichshain
• eine Sozialberatung: Armut ist ein mehrdimensionales Problem und nicht allein
eine Frage der Einkommensarmut. Gerade Menschen mit multiplen Problemlagen
treffen oft auf überforderte Beratungsstellen. In diesem Sinne wollen
wir mit der Sozialberatung eine niederschwellige Anlaufstelle und betreuende
Dienste schaffen.
• Eine Gründungs- und Projektberatung soll die sozialen Risiken der abhängigen
Selbständigkeiten, z.B. in der Medien- und Kreativwirtschaft, beratend
minimieren. Einen massiven Bedarf gibt es in den Bereichen der Vertragsausgestaltung,
der Sozial- und Gesundheitsversicherung und beim Umgang mit
den JobCentern in Situationen eines aufstockenden Arbeitslosengeldes II.
• Das Zentrum soll generationsspezifische Ansätze entwickeln und generationsübergreifende
Projekte initiieren, wie z. B. durch eine „Patengroßeltern-Initiative“,
die jenseits der öffentlichen Betreuungszeiten alleinerziehende Eltern
und vor allem Mütter mit Kleinkindern entlastet.
• Unzureichende Handlungsansätze gibt es in dem Bereich der erwerbslosen
jungen Menschen unter 25 Jahren, die zum großen Teil keinen Ausbildungsplatz
haben oder die Zeit vor oder nach einer Ausbildung mit Jobben und
Praktika verbringen oder sich schon als arbeitsmarktferne Verlierergeneration
ansehen.
Das Soziale Zentrum wird Angebote mit unterschiedlichen Reichweiten entwickeln
müssen. Im Unterschied zu gängigen Stadtteilkonzeptionen sollen bei
diesem Konzept nicht nur stabilisierende Wirkungen für den umgebenden
Sozialraum erzeugt werden. Neben den erschließenden Aufgaben für die Initiativen-,
Projekt- und für die innovative Gewerbelandschaft muss ein Gründungsund
Projektberatungsansatz so konzeptioniert werden, dass sich dieses Angebot
nicht allein auf den Bezirk beschränkt, dabei aber möglichst Wirkungen in
Friedrichshain erzeugt werden.
VI. Die Architektur- und Stadtgeschichte erschließen
Ein Stadtteilzentrum soll die Identifikation der Menschen mit der Stadt und
ihrer Lebensumgebung, ihrer Wohnsituation und vor allem mit dem öffentlichen
Raum stärken. Das Schulgebäude selbst und die umliegenden Bauten und
Gewerbehöfe sind kulturgeschichtliche Baudenkmäler der Architektur von Zeiten
des nationalen Aufbauprogramms der „Stalin-Alle“ bis hin zur DDR-Modernen
der späten 70er Jahre und wären deshalb der ideale Rahmen einer
Geschichtswerkstatt Friedrichshain.
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VII. Realisierungswege & kalkulierte Zeitschiene
In Berlin steht fast jede politische Entscheidung unter einem Finanzierungsvorbehalt.
Die hier vorgeschlagene Konzeption orientiert sich deshalb bewusst
an den Zielstellungen der EU-Förderprogramme des Europäischen Sozialfonds
und des EFRE-Programms. Es geht der Initiative SBZ Friedrichshain nicht darum,
ein paar weitere Projekträume im Friedrichshain umzusetzen.
Methodisch sind wir nicht von den unmittelbaren Kernprojekten ausgegangen,
die wir gerade aufbauen, sondern haben eine andere Ausgangsfrage gestellt:
• Wo liegen die Gründe, weshalb viele Projekte in Friedrichshain unter ihren
Möglichkeiten bleiben?
• Was für ein Quartiermanagement von unten wäre eigentlich notwendig, um
die Projektszene, die Kieze, die Gewerbelandschaft und die sozialen Dienste in
Friedrichshain für BewohnerInnen und BesucherInnen zu erschließen?
• Welche Ansätze und Instrumente für ein solches Entwicklungsleitbild für
Friedrichshain wären notwendig?
Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg wird ein solches Modell-Projekt nur dann
umsetzen können, wenn es bis zum Sommer in Zusammenarbeit mit den Senatsstellen
und dem beauftragten Serviceunternehmen „Zukunft im Zentrum“
einen solchen Antrag im Rahmen der neuen Förderperiode einreicht.
In dem Sinne kann die Initiative SBZ Friedrichshain zum jetzigen Zeitpunkt
nur die notwendigen Voraussetzungen und politischen Entscheidungsschritte
skizzieren, denn
ein EU-Antrag muss eine andere Qualität haben und wird kaum im Rahmen
des bürgerschaftlichen Engagements entwickelt.
Wir halten die gewählte Vorgehensweise für den richtigen methodischen Ansatz,
gerade weil eine bürgerschaftliche Initiative so etwas nicht umsetzen kann,
geänderte Rahmenbedingungen aber die Voraussetzungen für einen anderen
Entwicklungspfad in Friedrichshain sind.
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Initiative SBZ Friedrichshain
Erster Schritt: Gestaltungsmöglichkeiten für den Bezirk sichern
Die ehemalige Schule ist dem Liegenschaftsfonds als ein Bewirtschaftungsobjekt
zur Vermarktung übertragen worden. Wenn das Objekt kurzfristig in ein
Immobilien-Portfolio überführt wurde und dieses in einem Bieterverfahren auf
den Markt geworfen wird, gibt es keine bezirklichen Gestaltungsspielräume für
die BVV und der Bezirksverwaltung für eine unterstützte Netzwerkbildung
durch ein Soziales Zentrum.
Von Seiten der Senatsparteien wurde erklärt: „Die zielgerichtete Nutzung und
Verwertung von Flächen, Grundstücken und Gebäuden ist ein Schlüsselinstrument
der Stadtentwicklung und wichtig für die Förderung wirtschaftlicher Aktivitäten.
Bei der Verwertung und Verwaltung landeseigener Liegenschaften sind
die Flächenvorsorge für Aufgaben der Daseinsvorsorge, Stärkung neuer Wohnformen,
für die Ansiedlung und Förderung von Kleingewerbe, innovativen
Gründungen und Kulturwirtschaftsbetrieben sowie zielgruppenorientierte
Flächenangebote für Initiativen des bürgerschaftlichen Engagements stärker zu
berücksichtigen. In einem Konzept für die landeseigenen Liegenschaften sollen
die Potenziale und Instrumente einer an stadtentwicklungs-politischen Zielen
orientierten Verwertung und Verwaltung der landeseigenen Immobilien aufgezeigt
werden.“ (Koalitionsvertrag Berliner Senat).
Die Initiative SBZ Friedrichshain sieht in der Konzeption eines Netzwerkes mit
einem Sozialen Zentrum einen „stadtentwicklungspolitischen“ Ansatz, mit dem
verschiedene Synergie-Effekte über verschiedene Politikfelder hinaus entwickelt
werden können. Auf der oben zitierten Grundlage halten wir es für möglich,
dass der BVV-Ausschuss Stadtplanung und Bauen zu einer Beschlusslage
mit folgenden Kernpunkten kommen kann:
• Das Bezirksamt wird beauftragt, in einem Schreiben an den Liegenschaftsfonds
zu signalisieren, dass BW-Objekt 9131, die ehemalige Führmann-
Schule, nicht in ein Immobilien-Portfolio überführt werden sollte, weil der
Bezirk perspektivisch ein Interesse an der Möglichkeit einer Direktvergabe
hat.
• Der Bezirk sollte gleichzeitig den Liegenschaftsfonds darum bitten, dass die
Initiative SBZ Friedrichshain einen Zugang zum Objekt und den Unterlagen
bekommt, um auf dieser Grundlage eine belastbare Kosten-/ Finanzierungskalkulation
entwickeln zu können.
• Der Ausschuss spricht sich dafür aus, dass die integrierte Netzwerkkonzeption
für Friedrichshain vor den Ausschüssen „Wirtschaft, Bürgerdienste und
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Ordnungsamt“ und „Bürgerschaftliches Engagement, Demokratieförderung
und Quartiersmanagement“ angehört werden.
• Der Ausschuss sollte die Initiative SBZ Friedrichshain auffordern, nach der
Begehung des Objektes und noch im Juni eine konkrete Finanzierungskalkulation
vorzulegen.
Zweiter Schritt: Präsentation vor dem bezirklichen Bündnis für Wirtschaft
und Arbeit und Erarbeitung einer Beschlussvorlage für die BVV noch vor der
Sommerpause.
• Auf der Grundlage von vorbereitenden BVV-Beschlüssen ist es möglich, die
Konzeptionen für ein „Netzwerk Friedrichshain“ und ein „Soziales Zentrum“
am Frankfurter Tor mit dem Bezirklichen Bündnis für Wirtschaft und Arbeit
so zu konkretisieren, dass daraus ein kompatibler Antragstest für die Bezirksverordneten-
versammlung wird.
• In einer solchen Beschlussvorlage sollten auf Grund einer Machbarkeitsprüfung
durch das Service-Unternehmen „Zukunft im Zentrum“ und auf Initiative
des Bezirkes Gespräche mit den zuständigen Senatsverwaltungen aufgenommen
werden, um einen EU-Förderantrag zu entwickeln und um die
Modalitäten einer möglichen Direktvergabe auszuhandeln.
• In einem zweiten Punkt müsste im Ausschuss „Beschäftigung und JobCenter“
über die bezirklichen Möglichkeiten zur Auflage von Qualifizierungsförderungen
für junge Erwerbslose im Friedrichshain geklärt werden.
• In Zusammenarbeit mit dem beauftragten Serviceunternehmen wird eine
rechtliche Trägerkonstruktion für das Netzwerk und den Betrieb des Sozialen
Zentrums geschaffen.
Dritter Schritt: Bauliche Umsetzung &
Vorbereitung/Aufbau der Kernprojekte
• Die konkrete Umsetzung wird dann möglich werden, wenn die Initiative, der
Bezirk und der Senat zusammengearbeitet haben und auf diesem Wege ein
Projekt eine Zusage aus Brüssel bekommen hat. Das heißt, eine praktische
Bauumsetzung ist frühestens im nächsten Jahr möglich.
• Wir sind der Meinung, dass es für die Umsetzung eines solchen Vorhabens
eine entsprechende Steuerungsrunde geben muss, die im Vorfeld eingerichtet
wird.
Natürlich müssen diese konzeptionellen Überlegungen nach einer politischen
Entscheidung vom Kopf auf belastbare Füße gestellt werden. Die Initiative SBZ
Friedrichshain hat einen Finanzierungsantrag beim Förderprogramm Lokales
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Soziales Kapital eingereicht und will bis zum Ende dieses Jahres ein arbeitsfähiges
Netzwerk Friedrichshain umsetzen.
Parallel zu den politischen Entscheidungsprozessen werden gerade Teilprojekte
im Rahmen der Initiative SBZ Friedrichshain aufgebaut. Dazu gehören:
• die Sozialberatung im Mieterladen Kreutzigerstr.,
• der Veranstaltungspool des CloF e.V..
• Ein Projekt für junge Erwerbslose ohne Ausbildungsplatz wird gerade in Kooperation
zwischen dem CloF e.V. und der Gewerkschaftsjugend Berlin-
Brandenburg aufgelegt. Dafür gibt es schon eine Stellenzusage von der DGBSeite
und einen vorbereiteten „Gesellschafter“-Förderantrag.
• In Vorbereitung sind Veranstaltungen für Selbstständige und Freiberufler in
Fragen der Vertragsgestaltung und soziale Sicherungen in Zusammenarbeit
mit dem Ver.di Mediafon-Projekt und mit einem Zusammenschluss von
Selbstständigen, die ein Portal für ein Netzwerk Friedrichshain umsetzen wollen.
Die Initiative SBZ Friedrichshain muss parallel zu dem politischen Entscheidungsprozess
die notwendigen Kernprojekte für das Netzwerk und das Soziale
Zentrum umsetzen. Würden wir den umgekehrten Weg gehen, dann wäre es der
Verzicht auf ein Modellprojekt entsprechend der neuen Fördermöglichkeiten.
VIII. Notwendiges Finanzvolumen & Finanzierung des
zukünftiger Betriebes
1. Instandsetzung des Gebäudes
Nicht nur in Zeiten knapper Haushaltsmittel sollte ein verantwortungsvoller
Umgang mit öffentlichen Geldern erfolgen. In dem Sinne ist eine doppelte Kalkulation
notwendig: Wie teuer wird eine Instandsetzung des ehemaligen Schulgebäudes
und der zugehörigen Grünfläche und wie finanziert sich perspektivisch
der Eigenbetrieb eines Sozialen Zentrums?
Als Referenzwert für die entstehenden Umbaukosten können die bezirklichen
Erfahrungen mit der Instandsetzungen der Schule an der Modersohnstraße herangezogen
werden. Zusätzliche Kosten können einerseits durch eine Zusammenlegung
von zwei Klassenräumen und durch Unterteilungen von Räumen
entstehen.
Kurz vor dem Auszug aus der Schule hatte eine Instandsetzung des Schulgebäudes
begonnen. Diese Inwertsetzung ist leider massiv durch den Leerstand,
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defekte Fenster, Feuchtigkeit und Zerstörungen innerhalb von einem halben
Jahr eingeschränkt worden. Ein vorläufige Kostenkalkulation können wir vorlegen,
wenn der Liegenschaftsfonds positiv auf den Antrag eines Zugangs zu
den Räumen reagiert.
Die Finanzierung der Inwertsetzung und des Umbaus des Gebäudes muss
primär durch EU-Fördermittel des ESF- und des EFRE-Programms sowie
durch eine nationale Ko-Finanzierung umgesetzt werden.
Die konkrete Umsetzung dieser Ko-Finanzierung muss mit der zuständigen
Arbeitsagentur Friedrichshain-Kreuzberg ausgehandelt werden. Der Bezirk
kann sich seit dem letzten Jahr in diese Fragen mit einschalten und hätte die
Möglichkeit, qualifizierende Jugendförderungen aufzulegen, die über örtliche
Handwerksbetriebe umgesetzt werden.
2. Herrichtung der Außenfläche
Zum jetzigen Zeitpunkt wird die Außenfläche als informeller Hundeauslaufplatz
und als jugendlicher Treffpunkt genutzt (was leider einige zerstörerische Effekte
im Gebäude hat). Ein Teil der Grünfläche wird von einer Anwohnerinitiative als
ein kollektiver City-Garden genutzt und sollte auch so weiterentwickelt werden.
Im Friedrichshainer Zentrum gibt es einen massiven Mangel an ruhigen Grünflächen
und eine verdichtete Bauweise. Die Initiative ist der Meinung, dass der
Bezirk selber die Wiederherstellung der Grünfläche in seine Planung aufnehmen
muss.
• Der Bezirk muss die Fläche auf verschüttete Trümmerreste untersuchen und
diese gegebenenfalls beseitigen.
• In der Umsetzung gibt es verschiedene Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung
in einer konzeptionellen Phase und einer Umsetzung im Rahmen des internationalen
Jugendaustausches.
• Die Initiative SBZ Friedrichshain will das Institut für Permakultur gewinnen,
um ein differenziertes Nutzungs- und Gestaltungskonzept zu entwickeln.16
3. Rechtliche Trägerkonstruktion & Verwaltung der Liegenschaft
„Für politisch gewünschte Impulse der Stadtentwicklung wird die Koalition die Direktvergabe
ermöglichen. Aktivierungs- und Vermarktungsmaßnahmen des Liegenschaftsfonds
für stadtentwicklungspolitisch bedeutsame Liegenschaften sollen vom Senat und
von den Bezirken initiiert werden. Dabei sollen die möglichen Nutzungen, die Inwertsetzung
und die Vermarktbarkeit dargestellt werden. Das Beratungsangebot für
gemeinwesenorientierte und gemeinwirtschaftliche Gruppen, für Initiativen des städtischen
Wohnens (Genossenschaften, Baugruppen) sowie für gewerbliche Nutzer und Interessenten
wird verbessert“ (Koalitionsvertrag Berliner Senat).
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Nicht die Immobilie der alten Führmann-Schule hat einen Vermarktungswert,
sondern - wenn überhaupt - kann auf der Fläche ein anderes Bauprojekt umgesetzt
werden. Ein Netzwerk Friedrichshain und ein soziales Stadtteilzentrum
können dagegen solche Impulse für eine gewünschte Stadtentwicklung geben,
dass es auf Antrag des Bezirkes und mit Zustimmung von SenFin zu einer
Direktvergabe der Liegenschaft an die rechtliche Trägerkonstruktion kommen
kann.
Wir sehen zwei mögliche Wege, um eine rechtliche Trägerkonstruktion zu schaffen:
• Der Bezirk bleibt Eigner der Liegenschaft, aus dem Netzwerk wird ein Verein
als Rechtsform gebildet, der als Generalmieter agiert. Der Vorteil für den
Bezirk wäre, dass damit langfristig eine Liegenschaft gesichert wird, auf die er
gestalterisch zurückgreifen kann.
• Oder: Als rechtlicher Träger wird eine gemeinnützige Genossenschaft Friedrichshain
gegründet, der Initiativen, Einzelprojekte und Träger beitreten und
die als ein gemeinnütziger Akteur für Friedrichshain aufgebaut wird. Diesen
nachhaltigen Ansatz würde die Initiative SBZ Friedrichshain bevorzugen.
Die direkte Nutzfläche im Gebäude beträgt zirka 2800 m2. Für die Kernprojekte
des Stadtteilzentrums (Kiezkantine, Veranstaltungs- & Ausrüstungspool, Werkstatträume,
Kontakt- und Informationsstelle, Medienprojekt Schaufenster, Büro)
wird eine benötigte Fläche von 1000 m2 kalkuliert.
Wenn es zu einem Zusammenwirken der Initiative, des Bezirks, des Bezirklichen
Bündnisses für Wirtschaft und Arbeit, der Service-Gesellschaft „Zukunft im
Zentrum“ und dem Senat kommt, dann ist es möglich, vor der Sommerpause
dieses Konzept auf seine Machbarkeit und Umsetzbarkeit zu prüfen und einen
Förderantrag für die neue Förderperiode der EU zu entwickeln.
Bei der Umsetzung eines solchen Bauvorhabens kann auf das Finanzierungsmodell
der Kirchhof gGmbH zurückgegriffen werden. Als nationale Ko-Finanzierung
werden qualifizierende Beschäftigungsmaßnahmen durch das Job-
Center aufgelegt und der Bau in Zusammenarbeit mit spezialisierten Handwerksunternehmen
und der IHK umgesetzt. Als ein erfahrener Projektträger
würden wir gern den Verband für interkulturelle Arbeit mit Sitz in Friedrichshain
gewinnen.
Wenn die Liegenschaft mit öffentlichen Mitteln saniert und dann übergeben
wird, dann setzt sich zukünftig der Mietpreis aus den notwendigen Rücklagen
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und den anfallenden Betriebskosten zusammen. Investitionen in Energieprojekte
senken langfristig die Betriebskosten. In einer solchen Situation ist es möglich,
mit Miet- und Betriebskosten um 3,50 € zu kalkulieren.
„Seien wir Realisten und wagen das Unmögliche!“ Dieser Leitspruch von Che-
Guevara gilt immer, wenn die gewohnten Pfade verlassen werden. Uns ist bewusst,
dass eine gelingende Kooperation zwischen einer bürgerschaftlichen Initiative,
dem Bezirk und dem Senat immer nur eine seltene Ausnahme war. Aber
gerade weil die Schuldenfalle dem Land Berlin enge Grenzen setzt, ist ein Blick
jenseits des unmittelbaren Problemhorizonts wichtig und die wichtigste Ressource
bleibt in solchen Situationen die Initiative von unten und eine Kultur
des Ermöglichens in den politischen Entscheidungsräumen.
IX. Kontakt zur Initiative SBZ Friedrichshain
CloF (Creativ Lobby of Future / Kampagne Musik gegen Gewalt)
über den Mieterladen UBI KliZ e.V.
Kreutzigerstr. 23
10247 Berlin
Mail: orga@clof.eu / Tel.: 030 50566359
Endnoten:
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1
Berliner OP EFRE für die EU-Finanzperiode 2007 bis 2013, S. 115 und 117
2
ebd., S. 94
3
Der Zwang zum Schlachten auf dem städtischen Schlachthof grenzte auf der anderen
Seite ab, Osram und die Glaswerke prägten den Stralauer Kiez.
4
Dieses Gebiet und die Alleen haben in DDR-Zeiten ihr soziales und DDR-bildungsbürgerliches
Eigenleben entwickelt.
5
Dazu gehörten z.B. die E-LOK im Stralauer Kiez oder Kängeruh. Im Rahmen der Sozialraum
AG wurde die Mittelkürzung so moderiert umgesetzt, dass einige Projekte unter
ein Dach ziehen mussten.
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6
Das Heimatmuseum Friedrichshain wurde in das Kreuzberg Museum integriert. Die
Räumlichkeiten der Alten Feuerwache werden unter dem Namen "Alte Feuerwache - Projektraum"
jetzt für wechselnde Ausstellungen genutzt. Es ist eigentlich unverständlich,
dass bis auf das Café Sibylle kein Ort geschaffen oder erhalten wurde, an dem die Geschichte
dieses längsten Architekturdenkmals erzählt wird. Hier lassen sich gesell-schaftliche
Umbrüche in der alten DDR zeigen und mit den Entwicklungen um das Hallesche
Tor vergleichen.
7
Emmerich A.: Die gewerbliche Entwicklung im Gebiet Boxhagener Platz (Berlin-Friedrichshain)
im Spannungsfeld von sozialer Dynamik, Milieuschutz und wettbewerbs-orientierter
Stadtpolitik, Diplomarbeit HU-Berlin, Geographisches Institut, eingereicht Juni
2006.
8
In dieser Zeit fand in diesem Gebiet eine systematische Gewerbe- und Verkaufsflächenwiederherstellung
der Ladenzeilen statt und ein positives Image des „Boxis“ sollte
hergestellt werden.
9
Siehe Sozialerhebungen der ASUM GmbH: http://www.asum-berlin.de
10 Häufiger Mieterwechsel führt zu überdurchschnittlichen Mietsteigerungen, die sich
dann wieder nur „Wohngemeinschaften“ leisten können. Damit erhöht sich der Druck auf
preisgünstige Wohnungen, die in der Größe und Miethöhe kompatibel zum AV Wohnen
und Hartz IV sind. Die Grenzen der Kosten der Unterkunft (KdU) sind zu niedrig, insbesondere
angesichts der Nebenkosten-Entwicklung 2005 und 2006. Darüber hinaus führen
zunehmend Zahlungsrückstände von Mietern (Miete, Gas, Strom) zu Räumungen und
Obdachlosigkeit. Auch die noch in WE verbliebenen ALG-II-Mitbürger leben unter diesem
Damoklesschwert, die soziale Verelendung – häufig verbunden mit Suchtproblemen –
nimmt zu.
11 Siehe Jugendhilfebericht 2006.
12 Die soziale Kehrseite des „Freelancer-Daseins“ sind diskontinuierliche Einkommen,
Projektabgabedruck, Risiken im Krankheitsfall und leider rechtliche Auseinandersetzung
wegen mangelnder Zahlungsmoral oder Urheberrechtsverletzungen.
13 Siehe Koalitionsvertrag Berliner Senat:
http://www.berlin.de/rbmskzl/koalitionsvereinbarung/abss10.html
14 ebd. Koalitionsvertrag Berliner Senat
15 Die Qualität eines Netzwerkes misst sich nicht einfach an der Anzahl der Knotenpunkte
sondern an der Infrastruktur, die es für Austausch und Kommunikations-prozesse zwischen
Individuen, Gruppen, Organisationen und Gewerbe bereit stellt. Durch Netzwerke
werden Handlungsorientierungen (Normen) erworben und sanktioniert. Kooperationsformen
und synergetische Effekte wird es nur dann geben, wenn gemeinsame Ressourcen
geschaffen werden. Siehe auch: Diaz-Bone R.: Eine kurze Einführung in die sozialwissenschaftliche
Netzwerkanalyse (SNA), Institut für Journalistik & Kommunikationsforschung
Hochschule für Musik und Theater Hannover.
http://www.agis.uni-hannover.de/EQQS/modulijk/Netzwerkanalyse.pdf
16 Siehe dazu unter: http://www.permakultur.de/
(Dienstag, 5. Juni 2007)
Link
Montag, 26. März 2007
Willkommen bei dem StZ-Fh
Hier entsteht die Infosite des Stadtteilzentrums Friedrichshain
(Montag, 26. März 2007)
Link